Mohau Modisakeng: Hochglanzfotos und Kohlehaufen

23. September 2015, 07:00
posten

Der Kunstraum Innsbruck zeigt die erste europäische Einzelausstellung des südafrikanischen Künstlers

Innsbruck – Ein ausladender Tisch im viktorianischen Stil, pechschwarz lackiert. Zwei Stühle, vis-à-vis positioniert wie für eine Verhandlung. Auf dem Tisch türmt sich ein Berg aus Kohlestücken neben Macheten und einem Krug voll Öl. Kohle und Kohlesäcke liegen aber auch über den weißen Boden verstreut, dazwischen finden sich schwarze Abdrücke nackter Füße.

Diese Szenerie ist das stumme Relikt jener geräuschvollen und tranceartigen Eröffnungsperformance, die der südafrikanische Künstler Mohau Modisakeng im Kunstraum Innsbruck Anfang des Monats inszeniert hat. Als er, gekleidet in schwarzes Gewand mit weißem Schurz, Hut und Scheuklappen vor dem Gesicht, Säcke von Kohle über den Tisch leerte und sich daranmachte, diese durch klirrenden Einsatz der Macheten aufzuteilen. Ab und an kippte er sich ein Glas Öl hinter – oder besser: über – die Binde.

Mit dieser Performance – von der ein Video in der Ausstellung zu sehen ist – bezieht sich der Künstler auf das Massaker an streikenden Minenarbeitern vor drei Jahren. Die beeindruckende Schau in SchwarzWeiß nennt sich Ke Kgomo Ya Moshate, nach einem Sprichwort in der Muttersprache des Künstlers, Setswana. Es bedeutet so viel wie: Diese Sache ist nicht zu lösen, ohne jemandem auf die Füße zu treten.

"Black Man" mit Macheten

Modisakeng, der 1986 im schwarzen Township Soweto geboren wurde, lebt heute in Kapstadt. Thema seiner Arbeit ist das postkoloniale Afrika und die Identität des "Black Man" seit Ende der Apartheid. Der Künstler inszeniert sich in seinen höchst ästhetischen Videoarbeiten und Hochglanzfotografien zumeist selbst. Er kleidet sich in traditionelle Trauerroben, verbirgt sein Gesicht hinter Pferdescheuklappen und hält Peitschen oder Macheten fest umklammert.

So findet Modisakeng in einer poetischen Bildsprache Metaphern für Gewalt und skrupellose Ausbeutung von Menschen und Bodenschätzen in seiner Heimat. Die Ausstellung im Kunstraum Innsbruck ist übrigens seine erste Einzelausstellung in Europa. Und: Sie wurde fixiert, noch bevor bekannt wurde, dass die diesjährige Biennale Venedig Arbeiten von ihm zeigen wird, freut sich Kunstraum-Leiterin Karin Pernegger. (Dorothea Nikolussi-Salzer, 23.9.2015)

Kunstraum Innsbruck, Maria-Theresien-Straße 34. Bis 24. 10.

Kunstraum Innsbruck

  • Diese Szenerie ist stummes Relikt einer geräuschvollen Performance, die der südafrikanische Künstler Mohau Modisakeng zur Eröffnung seiner Ausstellung "Ke Kgomo Ya Moshate" im Kunstraum Innsbruck zeigte.
    foto: kunstraum innsbruck

    Diese Szenerie ist stummes Relikt einer geräuschvollen Performance, die der südafrikanische Künstler Mohau Modisakeng zur Eröffnung seiner Ausstellung "Ke Kgomo Ya Moshate" im Kunstraum Innsbruck zeigte.

Share if you care.