Metaller starten am Donnerstag KV-Feilschen

22. September 2015, 07:25
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Im Frühjahr gab es bei den meisten Betrieben ein Lohnplus von rund zwei Prozent – Durchschnittseinkommen in Österreich bei 30.088 Euro netto im Jahr

Wien – Übermorgen, Donnerstag, startet die Herbstlohnrunde. Den Anfang machen traditionell die rund 180.00 Metaller. Im vergangenen Jahr schlossen die sechs Metallerverbände mit einer Kollektivvertragserhöhung von 2,1 Prozent ab – bei einer Inflationsrate von 1,7 Prozent. Bei der von den Arbeitgebern geforderten Flexibilisierung der Arbeitszeit kam man sich nicht näher.

Aktuell liegt die Inflationsrate bei 1 Prozent, in den vergangenen zwölf Monaten betrug sie 1,2 Prozent. Ein Abschluss unter der Teuerungsrate gilt für die Arbeitnehmervertreter als ausgeschlossen. "Steigende Nachfrage durch ordentliche Lohn- und Gehaltserhöhungen sind gerade in der jetzigen Situation ein wichtiger Faktor für die Konjunkturentwicklung. Die zuletzt steigenden Löhne und Gehälter im Nachbarland Deutschland schaffen auch bei uns einen Spielraum", so Rudolf Wagner, Chefverhandler der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA). Er ersetzt das Verhandlungs-Urgestein Karl Proyer, der krankheitsbedingt heuer nicht teilnehmen kann.

Ertragslage positiv

Wagner zur Seite steht der Verhandlungsführer der Produktionsgewerkschaft Pro-Ge, Rainer Wimmer. Er ist auch Industriesprecher der SPÖ. Auch er sieht gute Voraussetzung für eine spürbare KV-Erhöhung. "Unsere Analysen zeigen, dass die Metallindustrie gut unterwegs ist. Die Ertragslage und die Prognosen sind sehr positiv. Eigentümer und Muttergesellschaften haben sich über Ausschüttungen bereits gut bedient. Jetzt sind die Beschäftigten an der Reihe", so Wimmer.

Christian Knill, Chefverhandler der Arbeitgeber in der Maschinen- und Metallwarenindustrie, sieht das naturgemäß anders. Es habe 2014 sinkende Auftrags- und Beschäftigtenzahlen gegeben, heuer stagniere die Branche. Die Inflation sieht er, im Gegensatz zur Gewerkschaft, nicht als entscheidende Richtschnur für die KV-Erhöhung.

Neben einem deutlichen Einkommenszuwachs erhoffen sich die Gewerkschaften eine Ausweitung der "Freizeitoption". Diese sieht etwas mehr Freizeit bei einem Verzicht auf die Kollektivvertragserhöhung vor und wird bereits von zwei Metaller-Fachverbänden angewandt. Der größte Metallerverband, die Maschinen und Metallwarenindustrie (FMMI), hat sich bisher dagegen gestemmt und lässt auch heuer wenig Begeisterung durchblicken. Sie bringe nichts. Was man angesichts der schwierigen Wirtschaftslage brauche, sei nicht mehr Freizeit, so Knill.

Flexibilisierung der Arbeitszeiten

Wünschenswert wäre für Knill hingegen eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten, um Produktionsspitzen besser abfangen zu können. Laut Wimmer gibt es ohnehin schon sehr viel Spielraum bei der Arbeitszeit, vielmehr ginge es manchen Arbeitgebern um etwas anderes: "Einige Arbeitgeber verstehen unter Flexibilisierung weiterhin ausschließlich das Kappen von Zuschlägen. Arbeit soll billiger werden, auf Kosten der Arbeitnehmer", warnt Wimmer.

Bei den Kollektivvertragsverhandlungen geht es um den Anstieg von Ist- und KV-Löhnen und -Gehältern für die kommenden zwölf Monate. Eine automatische Erhöhung der Einkommen gibt es nicht. Der kollektivvertragliche Lohn ist die Untergrenze für die jeweilige Branche, unter der ein Arbeitgeber nicht zahlen darf. Das Ist-Gehalt ist das effektive Einkommen und darf nicht unter dem KV liegen. Bei der Frühjahreslohnrunde heuer bewegten sich die Gehaltserhöhungen bei rund zwei Prozent. Verdient ein Arbeitnehmer zum Beispiel 2.200 Euro brutto und er bekommt statt einer Lohnerhöhung von zwei Prozent eine Nulllohnrunde, liegt der Verlust nach zehn Jahren bei 6.745 Euro, so die Gewerkschaft.

Gehaltsplus in Deutschland von 3,4 Prozent

Die deutschen Metaller haben die Richtschnur für Österreich jedenfalls schon mal hoch gespannt: Ihr Gehaltsplus wurde heuer im Frühjahr mit 3,4 Prozent festgelegt.

Das Durchschnitts-Jahreseinkommen aller Arbeitnehmer lag 2014 bei einer Vollzeitbeschäftigung bei 30.088 Euro netto. Arbeiter bekamen im Schnitt am wenigsten, ihr Netto-Jahreseinkommen betrug 22.041 Euro. Am meisten verdienten Beamte mit 36.950 Euro. Laut der OECD sind die Einkommen in Österreich – entgegen dem europäischen Trend – seit 2007 gesunken. Während das Pro-Kopf-Einkommen in den Industrieländern vom ersten Quartal 2007 bis Anfang 2015 um 8,1 Prozent zulegte – in Deutschland um 6,7 Prozent -, ging es hierzulande um 2,2 Prozent zurück, so die internationale Organisation. (APA, 22.9.2015)

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