Rund 50 kubanische Dissidenten bei Papstbesuch festgenommen

21. September 2015, 18:45
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Auch zwei oppositionelle Frauen in Gewahrsam genommen

Holguin/Vatikanstadt – Während des Besuchs von Papst Franziskus im kommunistischen Kuba sind mindestens 50 Dissidenten vorübergehend festgenommen worden. Das sagte der Sprecher der oppositionellen Kommission für Menschenrechte und Nationale Versöhnung (CCDHRN), Elizardo Sanchez, am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Auch zwei oppositionelle Frauen, die von der Kirche zu einer Begegnung mit dem Papst in der Kathedrale der Hauptstadt Havanna eingeladen waren, kamen in Gewahrsam. "Als ich zur Nuntiatur gehen wollte, haben sie mich vor meinem Haus festgenommen und vier Stunden festgehalten", sagte die Dissidentin Miriam Leiva der dpa.

Franziskus wurde am Montag bei der zweiten Station in Holguin von zehntausenden Menschen empfangen. Sie jubelten dem Oberhaupt der katholischen Kirche entlang der Straßen und auf dem Revolutionsplatz der Stadt zu, wo Franziskus eine Messe feierte. Er ist der erste Papst, der die Stadt im Osten des Landes besucht. Nach einem Aufenthalt in Santiago am Dienstag fliegt der 78-Jährige in die USA weiter, wo er bis Sonntag bleibt.

In seiner Predigt rief Franziskus dazu auf, Mitmenschen mit Respekt zu begegnen und ihnen zu dienen. Sie seien nicht diejenigen, "von denen man "lebt", die man gebraucht und missbraucht", sagte er in Holguin. Man dürfe sich nicht von Äußerlichkeiten blenden lassen und müsse hinter die Fassade schauen. Jesu Liebe heile "unsere Kurzsichtigkeiten und regt uns an, unseren Blick zu weiten und nicht bei der äußeren Erscheinung oder dem politisch Korrekten stehen zu bleiben", sagte der Papst.

Die katholische Kirche Kubas lobte der Papst angesichts des "Mangels an Kirchen und Priestern" in dem kommunistischen Karibikstaat für ihre "Anstrengungen und Opfer". In Havanna hatte er zuvor auch den Revolutionsführer und Ex-Machthaber Fidel Castro getroffen. Castro empfing den Argentinier in einem blau-weißen Trainingsanzug. Das "sehr vertraute und formlose Gespräch" in der Residenz Castros habe 30 bis 40 Minuten gedauert, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Der Papst hatte schon bei der Ankunft in Havanna seine "spezielle Achtung und Ehrerbietung" für den Anführer der Revolution geäußert.

Castro war 2006 als kubanischer Staatschef zurückgetreten und hatte das Amt an seinen Bruder Raul übergeben. Der Papst hat auch bei der Annäherung der einstigen Erzfeinde USA und Kuba vermittelt. In Kuba sucht er besonders den Kontakt zur Jugend, um deren Glauben zu stärken. 60 Prozent der elf Millionen Kubaner sind katholisch getauft – sie konnten ihren Glauben aber nach der Revolution von 1959 lange Zeit nicht frei ausüben. (APA, 21.9.2015)

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