Viola Davis: Ein reichlich später Preis für Vielfalt

Kopf des Tages21. September 2015, 18:01
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Die Schauspielerin wurde als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet

Einen überfälligen Triumph in Sachen Gleichberechtigung hat Viola Davis bei den Emmy-Awards angeführt: Obwohl das nicht der erste Preis in ihrer Karriere war, stellte sie bei der Verleihung in der Nacht auf Montag die Tatsache in den Vordergrund, dass sie als erste schwarze Schauspielerin in der Kategorie "Beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie" abgeräumt hat. Und genauso taten es amerikanische und internationale Medien. Seit 2014 spielt Davis die ehrgeizige Strafverteidigerin und Professorin Annalise Keating in der TV-Serie How to Get Away with Murder.

Die heute 50-jährige Schauspielerin, die als Kind in Armut aufwuchs, erregte erstmals 2009 Aufmerksamkeit in dem Spielfilm Glaubensfrage neben Meryl Streep. Allein in dem Jahr konnte sie neben einer Oscar- und Golden Globe-Nominierung in der "Kategorie Beste Nebendarstellerin" den Alliance of Women Film Journalists Award und den National Board of Review Award mit nach Hause nehmen.

Mit ihrem Mann Julius Tennon – ebenfalls Schauspieler und immer darum bemüht, mit seiner Frau zusammen zu spielen (Um Klassen besser, Lila & Eve) – hat Davis zwei Kinder.

Fraglose Bekanntheit dürfte sie mit The Help aus dem Jahr 2011 erlangt haben, für den sie bei den Golden Globes und den Academy Awards zwar nominiert wurde; gewinnen konnte sie damit allerdings bloß kleinere Filmpreise.

Dass man erst jetzt dazu kommt, eine afro-amerikanische Schauspielerin für die Arbeit an einer Hauptrolle mit einem Emmy zu ehren, hat wohl auch damit zutun, dass kaum große und wichtige Rollen für dunkelhäutige Frauen wie Davis geschrieben werden – wie sie selbst bei der Preisverleihung anmerkte. Schwarze Männer schneiden da viel besser ab.

Allerdings gibt es auch Stimmen, die meinen, dass es für das Jahr 2015 etwas rückständig ist, wenn man eine Schauspielerin aufgrund ihrer Hautfarbe so in den Mittelpunkt stellt. Denn schnell kann ein Fernsehpreis so zu einer Art Mahnmal der Apartheid werden.

Die beeindruckenden Rollen, mit denen Davis die Filmwelt bereichert, entschädigen wohl dafür. 2012, wurde sie von Time zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt ernannt. Aber für ihr Debüt hätte sie sich einen besseren Film verdient als das missglückte The Substance of Fire, wo sie 1996 neben Sarah Jessica Parker in einer Nebenrolle auftrat – für 528 Dollar Gage. (Sandra Čapljak, 22.9.2015)

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