Poker um Casinos Austria: Großaktionäre schweigen

21. September 2015, 16:59
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Die zur GraWe gehörende ehemalige Kirchenbank Schelhammer & Schattera lässt sich nicht in die Karten schauen

Wien/Gumpoldskirchen – Im Übernahmepoker um die teilstaatlichen Casinos Austria, um die Konkurrent Novomatic sowie zwei tschechische Milliardäre buhlen, lassen sich die großen Aktionäre weiter nicht in die Karten schauen. Die zur GraWe gehörende ehemalige Kirchenbank Schelhammer & Schattera wollte auch Montag nicht verraten, ob sie ihren Casinos-Anteil behält, abstößt oder aber von ihrem Aufgriffsrecht Gebrauch macht.

Am Sonntag ist im Casinos-Poker eine erste wichtige Frist abgelaufen. Es geht um den Casinos-Anteil der Privatstiftung MTB von Maria Theresia Bablik (16,8 Prozent). Bablik hat ihre Casinos-Anteile im Juni als erste zum Verkauf gestellt und dem niederösterreichischen Glücksspielkonzern Novomatic zugesagt.

Da die Casinos-Aktionäre über komplizierte Syndikatsverträge aneinander gebunden sind, hatten die Miteigentümer drei Monate Zeit, die MTB-Anteile selbst zum gleichen Preis aufzugreifen.

Kein Kommentar

Die Aktionäre, die nicht auch – wie die UNIQA und der Mühlenkonzern Leipnik-Lundenburger (LLI) – ihre Anteile Novomatic zugesagt oder aber der Konkurrenz versprochen haben, sind noch immer auf Tauchstation. "Wir machen es so wie alle anderen auch – wir werden keinen Kommentar abgeben", hieß es bei der GraWe auf APA-Anfrage. Laut "Format" will die frühere Kirchenbank Schelhammer & Schattera die MTB-Anteile aufkaufen.

Das mittlerweile zur GraWe gehörende Geldhaus spielt eine entscheidende Rolle in der Übernahmeschlacht um die Casinos. Schelhammer hält direkt 5,3 Prozent an den Casinos und weitere Anteile über die Beteiligungsgesellschaft Medial. In dieser sitzen auch UNIQA, LLI und Donau Versicherung (VIG-Konzern).

Die Donau Versicherung hat ihre Anteile den tschechischen Milliardären Karel Komarek und Jiri Smejc zugesagt. Genau genommen übernehmen die Tschechen die CAME Holding GmbH, die 29,63 Prozent an der Medial halten. Der Deal wurde am Freitag bei der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) angemeldet.

In der Medial wiederum können wichtige Beschlüsse wie die Bestellung von Aufsichtsräten oder Stimmverhalten in der Casinos-Austria-Haupversammlung nur mit einer Mehrheit von 90 Prozent gefällt werden, schreibt "Format". Da Schelhammer 10,8 Prozent der Medial besitzt, haben die Tschechen keinen echten Einfluss auf die Casinos-Aktien.

Finanzminister hat ein Wörtchen mitzureden

Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) hat auch noch ein Wort mitzureden – der Staat hält nämlich über die ÖBIB 33,24 Prozent der Casinos-Aktien. Dem Vernehmen nach favorisiert er einen Novomatic-Einstieg und ist über den Deal der Donau Versicherung mit den Tschechen "not amused". Laut Glücksspielgesetz (GSpG) hat er die Möglichkeit, die Milliardäre aus Tschechien einer Zuverlässigkeitsprüfung zu unterziehen. In letzter Konsequenz kann das Finanzministerium neue Aktionäre auch verhindern.

Smejc und Komarek wollen in der Folge jedenfalls mit einem "österreichischen Partner" zusammenspannen, wie sie bereits angekündigt hatten. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei um den Wiener Investor Peter Goldscheider (Epic) sowie die Familie Dichand (Kronen Zeitung).

Aus dem Finanzministerium gab es am Montag vorerst keinen Kommentar, ebenso wenig von Novomatic.

Ein Involvierter verwies darauf, dass es juristisch alles andere als eindeutig sei, ob innerhalb der Casinos-Syndikate alle gegenseitige Vorkaufsrechte haben, da in manchen Fällen Anteile nach Gründung der Verträge hin- und hergeschoben worden seien. (APA, 21.9.2015)

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