Italien rüttelt an Sonntagsöffnung

21. September 2015, 16:00
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Liberalisierungsgesetz soll rückgängig gemacht werden

Rom – Italien rudert in punkto Ladenöffnungszeiten womöglich zurück. Eine bunte Koalition von Abgeordneten aus verschiedenen politischen Lagern hat im Parlament in Rom eine Gesetzesänderung eingebracht, um das im Jahr 2012 eingeführte Gesetz zur Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten rückgängig zu machen.

Können Geschäfte derzeit 24 Stunden lang und 52 Sonntage im Jahr unabhängig von der Art der angebotenen Waren offen halten, soll sich dies laut dem Gesetzentwurf ändern. Geschäfte und Supermärkte sollen demnach an mindesten sechs der zwölf Feiertage in Italien pro Jahr geschlossen bleiben. Diese Einschränkungen sollen jedoch nicht für Restaurants und Bars gelten. Die "Gegenreform" in punkto Ladeöffnungszeiten wurde vom Handel scharf kritisiert, wird jedoch von den Gewerkschaften aktiv unterstützt.

"52 verkaufsoffene Sonntage haben keine Vorteile gebracht, weder vom Gesichtspunkt der Preisentwicklung noch für die Beschäftigung", so die Gewerkschafter. Die Gewerkschaftsvertreter betonten, dass im Zuge der Liberalisierung lediglich unsichere Arbeitsplätze geschaffen worden seien. So hätten vor allem die großen Handelsketten aufgrund von Geschäftseröffnungen neues Personal angestellt, allerdings mit befristeten Verträgen, die in vielen Fällen nicht verlängert worden seien.

Familienleben und Sozialkontakte

Die Problematik der Sonntagsöffnungen umfasse auch das Familienleben und die sozialen Kontakte der im Handel beschäftigten Arbeitnehmer und deren Familien. "Konsum kann nicht das einzige Modell sozialen Zusammenlebens sein. Daher muss der Sonntag in seinem Wert verteidigt werden", betonte Gewerkschaftschefin, Susanna Camusso.

Für die Revision des Liberalisierungsgesetzes ist auch der Kaufleuteverband Confcommercio. "Die wilde Deregulierung kommt weder dem Konsum, noch dem Pluralismus im Vertriebssystem in Italien zugute", so ein Confcommercio-Sprecher.

Die Kampagne gegen die ständig offenen Geschäfte führt auch die italienische Kirche. Der Sonntag sei kein Tag wie kein anderer, er müsse vor der Pflicht der Arbeit, des Kaufens und Verkaufens geschützt werden, hießt es kürzlich in einem Kommentar der katholischen Tageszeitung "L Avvenire". (APA, 21.9.2015)

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