FPÖ-Kultursprecher in Wien: "Subvention darf kein Ersatz für Erfolg sein"

21. September 2015, 17:20
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Gerald Ebinger ist für zeitgenössische Kunst, österreichisch soll sie sein

Wien – Gerald Ebinger sitzt in einem Café im ersten Bezirk und bestellt Tee. Abwarten, heißt es für seine Partei, der bei der Wahl am 11. Oktober der erste Platz zugetraut wird. Seit 15 Jahren sitzt Ebinger als Kultursprecher der Freiheitlichen im Wiener Gemeinderat. Sein Arbeitsstil im Kulturausschuss? "Objektive Wortmeldungen", und zwar "jenseits des persönlichen Geschmacks". Sein persönlicher Geschmack, das sei die "zeitgenössische Kunst", vor allem österreichische, die er seit langem sammle. Ungewöhnlich für einen FPÖ-Mandatar? "Nein, wahrscheinlich gibt es in der FPÖ ebenso viele kulturaffine Leute wie in allen anderen Parteien." Die SPÖ etwa sei in Wahrheit "viel konservativer, als sie denkt", ihre "Liberalität" oft bloße "Zurschaustellung".

Liberal klingt auch Ebingers Kritik an der Wiener Kulturpolitik: "Keine Transparenz, Stillstand, keine Kraft für Erneuerung, kein Strukturwandel, Anbetung der Asche", so seine Schlagworte, ehe er zum Reizthema Vereinigte Bühnen übergeht. Dort sieht er bei weitem zu viel Steuergeld investiert, wie auch ÖVP, Neos und Vertreter der freien Kulturszene bemerken. Am Gesamtbudget selbst, das mit 240 Millionen Euro für Kultur und Wissenschaft "international gesehen sehr viel ist", wolle er hingegen nichts kürzen: "Auch wir stehen auf dem Standpunkt, dass Kultur ganz wichtig ist."

Ob man deswegen "Mehr Respekt für unsere Kultur" plakatiere? "Na ja, darunter verstehe ich, dass wir eine angestammte Kultur hier haben, die seit Jahrtausenden gewachsen ist, und dass man Rücksicht nehmen muss, dass die nicht verlorengeht." Runtergebrochen auf die Kulturpolitik heiße das "mehr Mittel für österreichische Künstler". Man brauche nicht "so viele Festivals, wo Leute aus der ganzen Welt herkommen". Gleichzeitig hält Ebinger Impulstanz für "das wichtigste zeitgenössische Tanzfestival der Welt". Es sei daher umso trauriger, wenn Dirk Stermann als Moderator bei der Eröffnung nichts Besseres einfalle, als gegen seine Partei zu wettern: "Kunst, die nur dazu da ist, gegen die FPÖ zu sein, ist keine richtige Kunst."

Und wie steht seine Partei zur Förderung von Minderheitenkultur? "Es gibt viele kleine Subventionen für Vereine, serbische, kroatische, dem stimmen wir zu." Und muslimische? "Grundsätzlich spricht nichts dagegen, wenn es sich um Vereine handelt, die sich in die Gesellschaft integriert haben." Die Förderung parteinaher Kulturvereine in den Bezirken, die von den Neos skandalisiert wird und auch die FPÖ mit einschließt, hält Ebinger für kein wirkliches Problem: Eine "Schweinerei" sei vielmehr, dass der SPÖ-nahe Verein "Wiener Kulturservice" eine halbe Million für diverse Grätzelfeste bekomme.

Offenlegung von Subventionen

Bei den Subventionen trete die FPÖ für vollumfassende Offenlegung ein, inklusive der abgelehnten Anträge. Die bestehenden möchte er durchforsten. Oft sei es so, "dass ein Künstler genau weiß, dass er seine Subvention bekommt. Dann macht er eben irgendwas, damit das Kind einen Namen hat." Subvention dürfe aber kein Ersatz für persönlichen Erfolg sein. Sie müsse, so Ebinger, grundsätzlich einmal Kunst ermöglichen, "irgendwann sollte dann aber schon eine gewisse Marktakzeptanz eintreten".

Beim Wuk – das seit Jahren mit der Stadt über einen Mietvertrag verhandelt und dessen Subvention Ebinger deshalb infrage stellte – würde er keine Förderung mehr ausschütten, "solange nicht ein gewisser Betrag nachgezahlt wird". Eine Offensive wünscht sich Ebinger bei den Musikschulen: Denn Musik habe eine "integrative Wirkung", besonders im Kindesalter ließen sich damit "Vorurteile abbauen". (Stefan Weiss, 22.9.2015)

  • Seit 15 Jahren FPÖ-Wien-Kultursprecher: Gerald Ebinger.
    foto: fpö

    Seit 15 Jahren FPÖ-Wien-Kultursprecher: Gerald Ebinger.

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