Basketball: Eine Liga im Wandel

23. September 2015, 18:51
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Vor dem Auftakt zur Admiral Basketball Liga (ABL) am Donnerstag blieb bei vielen Klubs kein Stein auf dem anderen. An die 50 Spieler wurden neuverpflichtet

Wien – In Güssing thront auf einem erloschenen Vulkankegel die älteste Burg des Burgenlandes, kein Wunder, dass sich der örtliche Basketballklub Güssing Knights nennt. Dessen Erfolgsgeschichte nahm vor etwas mehr als zwei Jahren ihren Lauf, als Matthias Zollner zum Headcoach bestellt wurde. Der Deutsche hievte die Ritter aus dem sportlichen Niemandsland. 2014 führte Zollner sie zum ersten Meistertitel in der Klubhistorie, im Jahr darauf zum Double und unter die besten 16 Teams in der Euro Challenge.

Auch wenn der Supercup am vergangenen Sonntag 65:77 gegen Vizemeister BC Vienna verloren wurde, Güssing zählt auch vor der neuen Saison zu den Favoriten und nimmt damit eine Rolle ein, mit der Zollner nicht ganz zufrieden ist. "Wir würden auch als Titelkandidat gelten, wenn wir mit einer U19-Auswahl antreten, weil wir der amtierende Meister sind", sagte er dem STANDARD. "Ich denke, dass wir am Anfang noch Probleme haben werden, weil wir acht neue Spieler haben."

So trennten sich die Knights von Leistungsträgern, wie Travis Taylor, dem wertvollsten Spieler (MVP) der vergangenen Saison, und Christopher Dunn, der zum MVP der Finalserie bestimmt worden war. "Das ist die Schattenseite des Erfolges", sagt Zollner. "Spieler wechseln zu besseren Vereinen, bei denen sie lukrativere Angebote bekommen."

Verträge, die Güssing wohl auch deshalb nicht anbieten könnte, weil der Klub in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken scheint. Zumindest wurden fällige Spielergehälter nicht ausbezahlt, wie Obmann Reinhard Koch dem Pay-TV-Sender Sky sagte: "Es gibt immer wieder Verzögerungen. Das wissen die Spieler, sie vertrauen mir aber." Koch bestätigte – wenn auch nur zaghaft – verzögerte Auszahlungen an ein Legionärsquintett.

Neu gemischte Karten

Die Güssing Knights sind nicht der einzige Verein, der mitten im Umbruch steckt. An die 30 neue Legionäre gehen in der kommenden Saison in der Admiral Basketball Bundesliga (ABL) auf Korbjagd. Das sind so viele wie noch nie zuvor. Immerhin 14 Spieler wechselten innerhalb der Liga. Zu den spektakulärsten nationalen Transfers zählen der Wechsel von Teamspieler Moritz Lanegger von Klosterneuburg nach Güssing und von Romed Vieider, der aus Wels zu Klosterneuburg kam. Wels wiederum holte Lorenzo O'Neal von Vienna und Kevin Payton aus Klosterneuburg.

"An den vielen Wechseln merkt man, dass Basketball in Österreich bei weitem noch nicht den Stellenwert einnimmt, wie etwa Fußball", sagt Zollner, dessen Verein, wie Gmunden und Oberwart, die gesamte Legionärsriege ausgetauscht hat. "Die Klubs können es sich nicht leisten, Spieler mit langfristigen Verträgen auszustatten." Der Sport werde hierzulande von vielen Medien noch immer stiefmütterlich behandelt. Auch deshalb seien Sponsoren oft nicht gewillt, ihre Unterstützung für mehrere Jahre zu garantieren. Um den Basketball zu professionalisieren, nimmt Zollner auch die Politik in die Verantwortung: "Die Kommunen", sagt er, "müssten mehr Geld für den Ausbau der Spielstätten bereitstellen. Viele Hallen sind größere Turnsäle und haben mit Multifunktionshallen wenig zu tun."

Vergleich und Appell

Als Zugpferd sieht der 34-Jährige, früher Assistent beim deutschen Team, die österreichische Auswahl. Wenn die erfolgreicher wäre, sagt Zollner, dann würden die Medien auch umfangreicher über die Liga berichten. "Auch wenn es unrealistisch ist, gewinnt Österreich die Fußball-WM, sorgt das für eine größere mediale Aufmerksamkeit, als wenn ein österreichischer Klub die Champions League holt."

Auch beim Trainerpersonal gab es zahlreiche Rochaden. Zollner zählt zu den vier Headcoaches, die ihren Job behalten durften. In seinem Beruf will er hoch hinaus: "Ich will die Spitze des europäischen Basketballs erklimmen."

Mit den Knights wird er dieses Ziel vermutlich nicht erreichen, in der kommenden Saison spielt er mit ihnen aber immerhin auf internationalem Parkett: In der New FIBA Club Competition tritt Güssing gegen Elan Chalon (FRA), Den Bosch (NED) und Zlatorog Lasko (SLO) an. Keine leichte Gruppe, sagt Zollner. Dennoch traut er seiner Mannschaft eine Überraschung zu: "Die Chance auf einen Sieg steht in jedem Spiel bei 50:50. Wenn wir die Hälfte unserer Spiele gewinnen, könnte das für ein Weiterkommen schon reichen." (Kordian Prokop, 23.9.2015)

  • Thomas Klepeisz ist einer der wenigen Spieler, die den Güssing Knights erhalten bleiben.

    Thomas Klepeisz ist einer der wenigen Spieler, die den Güssing Knights erhalten bleiben.

  • Güssing-Trainer Zollner: "Ich will die Spitze des europäischen Basketballs erklimmen."

    Güssing-Trainer Zollner: "Ich will die Spitze des europäischen Basketballs erklimmen."

  • Auch die Kapfenberg Bulls zählen vor der neuen Saison zum Favoritenkreis auf den Meistertitel.

    Auch die Kapfenberg Bulls zählen vor der neuen Saison zum Favoritenkreis auf den Meistertitel.

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