Kind mit verseuchten Spritzen gequält: Mutter vor Gericht

21. September 2015, 11:46
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Dreijähriger zeitweise in Lebensgefahr – Öffentlichkeit nach Verlesung der Anklage ausgeschlossen

Hamburg – In Hamburg hat ein Prozess gegen eine 30 Jahre alte Mutter begonnen, die ihr Kind über Monate mit verseuchten Spritzen gequält haben soll. Sie habe ihrem dreijährigen Sohn im Jahr 2013 über Monate mit Fäkalien, Speichel oder Blumenwasser vermischte Substanzen unter die Haut oder in die Blutbahn gespritzt, hieß es in der Anklageschrift.

Der Bub bekam demnach heftige Schmerzen, Fieberschübe und Abszesse, sein Blutdruck fiel ab und die Sauerstoffsättigung seines Blutes sank. Er lag zeitweise in Lebensgefahr auf der Intensivstation.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagte unter dem sogenannten Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidet. Dabei macht ein Mensch einen anderen bewusst krank oder täuscht eine Krankheit vor, um Zuwendung zu erreichen. Nach Verlesung der Anklage schloss das Gericht am Montag die Öffentlichkeit von dem Verfahren aus.

Täterinnen suchen Aufmerksamkeit

Beim Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom (Munchausen syndrome by proxy) macht jemand einen anderen Menschen bewusst krank oder täuscht eine Krankheit vor. Anschließend verlangt der psychisch kranke Täter fachkundige Behandlung für sein Opfer. Häufig sind es Mütter, die ihr Kind auf diese Weise schwer misshandeln. In der Regel wollen die Frauen auf diese Weise Zuwendung für sich und ihre Kinder erreichen. Bisweilen gehen die psychisch kranken Mütter so weit, dass ihr Kind an der Misshandlung stirbt. Beim Münchhausen-Syndrom fügen Menschen sich selbst Schaden zu. (APA/dpa, 21.9.2015)

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