Der Papst in Kuba: Castros Verbündeter

Kommentar20. September 2015, 18:51
1 Posting

Ohne die Vermittlung von Papst Franziskus hätte man auf das Ende der Eiszeit zwischen Washington und Havanna wohl länger warten müssen.

Franziskus ist nicht der erste Papst, der Kuba besucht, doch diese Visite ist auf längere Sicht vielleicht wichtiger als die Premiere von Johannes Paul II. 1998 und mit Sicherheit bedeutender als jene von Benedikt XVI. vor drei Jahren. Erstmals besucht ein lateinamerikanischer Pontifex maximus das Land. Und als "einer von ihnen" kann Franziskus freier sprechen, als er es ohnehin schon zu tun gewöhnt ist.

Und so forderte er auch akkurat mehr Freiraum und mehr Rechte für die Kirche in dem Land ein. Anders werde es nicht möglich sein, das kubanische Volk in seinen Hoffnungen zu unterstützen und in seinen Sorgen zu begleiten. Recht deutliche Worte also an die kommunistische Staatsführung – und gleichsam die Festlegung von Bedingungen bei der Hilfe des Vatikans, die bilateralen Beziehungen Kubas zu den USA weiter zu verbessern.

Denn Franziskus kann sich als wertvoller Verbündeter für die Castro-Brüder erweisen – in gewisser Weise ist er es schon: Ohne seine Vermittlung hätte man auf das Ende der Eiszeit zwischen Washington und Havanna wohl länger warten müssen. Der nächste Schritt in diesem Prozess wäre die vollständige Aufhebung des seit fast 55 Jahren bestehenden US-Handelsembargos; ein Thema, das mit Sicherheit auf der Agenda des Papstes steht, wenn dieser am Dienstagnachmittag in Washington landet – direkt und ohne Umwege aus Havanna kommend. (Gianluca Wallisch, 21.9.2015)

Share if you care.