In Italien hat sich das Holz-Image verbessert

25. September 2015, 09:00
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Jahrzehntelang wurde der Baustoff von Architekten und Baumeistern kaum eingesetzt

Holz ist in Italien derzeit in. Nicht nur in der Bauwirtschaft, wo die Mailänder Weltausstellung Expo 2015 zweifellos das Image von Holzbauten lancierte. Rund 40 Prozent der 130 Ausstellungshallen sind aus Holz gebaut. Dabei wurden laut Schätzungen von Michael Berger, einem Wirtschaftsdelegierten in Mailand, bei knapp der Hälfte Holz "made in Austria" verwendet. Aber der Boom ist nicht nur auf der Expo zu sehen. Im neuen Mailänder "In-Viertel" Isola wurde kürzlich der Unicredit-Pavillon eröffnet. Stardesigner und Architekt Michele De Lucchi nutzte für das "neue Mailänder Kulturzentrum" Holz aus Österreich.

Jahrzehntelang haben Italiens Architekten und Baumeister den Baustoff Holz kaum verwendet. Höchstens bei Dachböden und Wochenendhäusern in Berglandschaften wurde Holz genutzt. Stahl- und Betonbauten waren jahrzehntelang die Favoriten.

"Italien hat eine Betonkultur", hieß es immer wieder. Erst seit den Erdbeben in der Region Emilia-Romagna wurde Holz als relativ bebensicheres Material aufgewertet. Einen wahren Aufschwung und Imageboom hat das Material aber durch die Mailänder Expo erfahren. Der 64-jährige Architekt Michele De Lucchi hat seine Vorliebe zu Holz in den verschiedensten Variationen entdeckt. Und da De Lucchi derzeit in Mailand das Sagen hat, da seine Holzbauten in aller Munde sind, erwarten Experten eine weitere Zunahme der Nachfrage. Das kommt auch Österreich zugute. Knapp die Hälfte der Leimholzausfuhren Österreichs werden in Italien abgesetzt.

Atemhauch der Erde

Der anlässlich der Expo eröffnete Autogrill-Tempel "Mercato del Duomo" gegenüber dem Mailänder Dom und am Eingang der Galleria, hat im Inneren einen Olivenbaum mit Wurzeln, Symbol für die Fortsetzung und fürs Leben, installiert. Die Skulptur von De Lucchi hat viel von sich reden gemacht. Auf der Expo selbst hat De Lucchi nicht nur im Falle des "Pavillon Zero" ganz aus Holz gebaut und mit der Aufschrift "Divinus halitus terrae" (Der göttliche Atemhauch der Erde) gepunktet, auch das Banca-Intesa-Sanpaolo-Pavillon, Treffpunkt für Seminare und Geschäftsleute wurde von De Lucchi entworfen.

Aus Holz errichtet wurden unter anderen der China-Pavillon und die Ausstellungszentren von Irland und Polen. Selbst die Restaurantkette Eataly überrascht mit ihren Holzstrukturen. Österreich hat in seinem Breathe-Austria-Pavillon einen Wald. Mehr als eine Million Besucher gab es bisher.

Da Holzprodukte Kohlenstoff speichern, sind sie ein nachhaltiges Mittel zur Bekämpfung des Klimawandels. Geleimt werden die Platten formaldehydfrei. Da die Platten leichter sind als Betonplatten, ist auch deren Transport vergleichsweise kostengünstiger. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 19.9.2015)

  • Der Unicredit-Pavillon als neues Kulturzentrum im Mailänder Avantgardeviertel Isola.
    foto: der standard

    Der Unicredit-Pavillon als neues Kulturzentrum im Mailänder Avantgardeviertel Isola.

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