Castro und Obama sprachen über weitere Annäherung

19. September 2015, 13:18
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Telefonat kurz nach Lockerungen von US-Beschränkungen für Kuba

Washington/Havanna – Kubas Staatschef Raul Castro und US-Präsident Barack Obama haben in einem Telefonat über eine weitere Annäherung zwischen ihren beiden Ländern gesprochen. Wie das kubanische Außenministerium am Freitag (Ortszeit) in Havanna mitteilte, betonte Castro die "Notwendigkeit", die "Reichweite" der Lockerungen der US-Beschränkungen gegenüber Kuba zu vergrößern.

Das 1962 verhängte US-Embargo gegen Kuba müsse vollständig aufgehoben werden, sagte Castro. Das Weiße Haus bestätigte das Telefongespräch. Darin sei es um Wege gegangen, "die bilaterale Zusammenarbeit voranzutreiben, auch wenn wir weiterhin Differenzen bei wichtigen Themen haben und diese Differenzen offen ansprechen werden", hieß es aus Washington.

Drittes Telefonat

Es war das dritte Telefonat der beiden Staatsmänner seit Ende vergangenen Jahres. Nach ihrem ersten Telefonat hatten sie am 17. Dezember die Annäherung ihrer beiden Länder verkündet. Dem Gespräch vom Freitag waren weitere Lockerungen von Handels- und Reisebeschränkungen der USA für das kommunistische Kuba vorangegangen. So wurden Geldüberweisungen aus den USA nach Kuba erleichtert sowie auch die Höchstsumme heraufgesetzt, die Reisende aus den USA nach Kuba mitnehmen dürfen. Befugte US-Vertreter dürfen in Kuba künftig Bankkonten eröffnen, Gemeinschaftsunternehmen mit kubanischen Firmen gründen sowie Büros, Lagerhäuser und Ladengeschäfte eröffnen.

Eine "stärkere, offenere Beziehung" zwischen den USA und Kuba biete für beide Staaten gleichermaßen "Potenzial" für "wirtschaftliche Möglichkeiten", erklärte US-Finanzminister Jacob Lew. Indem die US-Regierung die gegen Kuba verhängten Strafmaßnahmen weiter lockere, helfe sie dem kubanischen Volk bei dessen "Bestreben, politische und wirtschaftliche Freiheit zu erreichen", die notwendig sei für den "Aufbau eines demokratischen, blühenden und stabilen Kubas".

Diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen

Die beiden jahrzehntelangen Erzfeinde hatten am 20. Juli ihre diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Trotz des Tauwetters zwischen beiden Ländern bleiben noch mehrere Streitpunkte, etwa die vollständige Aufhebung des US-Embargos. US-Außenminister John Kerry hatte Mitte August in Havanna bekräftigt, dass seine Regierung die Streichung der Strafmaßnahmen "entschieden befürwortet". Hierfür ist aber die Zustimmung des US-Kongresses nötig. Dort haben die oppositionellen Republikaner die Mehrheit, die einen solchen Schritt strikt ablehnen.

An der Annäherung zwischen Kuba und den USA hatte auch Papst Franziskus als Vermittler einen Anteil. Er wurde am Samstag zu einem viertägigen Besuch in Kuba erwartet und reist danach in die Vereinigten Staaten. (APA/AFP, 19.9.2015)

  • Raul Castro und Barack Obama bei einem Treffen im April in Panama, am Freitag gab es ein weiteres Telefonat
    foto: reuters

    Raul Castro und Barack Obama bei einem Treffen im April in Panama, am Freitag gab es ein weiteres Telefonat

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