USA: Russland soll Kampfjets nach Syrien verlegt haben

19. September 2015, 14:58
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Syrische Rebellen sollen 56 Soldaten exekutiert haben

Damaskus –Russland dehnt nach US-Angaben seine Militärpräsenz im Bürgerkriegsland Syrien weiter aus. Im westsyrischen Latakia, wo Russland derzeit einen Luftwaffenstützpunkt errichte, seien vier russische Kampfflugzeuge gesichtet worden, sagte am Freitagabend in Washington ein Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte.

Kurz zuvor hatten die USA und Russland nach anderthalbjährigem Schweigen auf militärischer Ebene Kontakt auf höchster Ebene aufgenommen, um sich über die Lage in Syrien auszutauschen. Mit der Entsendung von Kampfflugzeugen hätte Moskau den Ausbau seiner militärischen Präsenz in Syrien auf eine neue Stufe gestellt.

US-Regierung besorgt

Bisher war nur von Panzern, Artillerie und dutzenden Soldaten die Rede gewesen. Die US-Regierung ist bereits seit Wochen über die Entwicklungen besorgt. Die Aussagen des US-Regierungsvertreters kamen nur wenige Stunden, nachdem US-Verteidigungsminister Ashton Carter mit seinem russischen Kollegen Sergej Schoigu telefoniert hatte.

Wichtigstes Thema des Gesprächs sei die Lage in Syrien gewesen, teilten beide Seiten mit. Das Telefonat habe eine Stunde gedauert, sagte Schoigus Sprecher Igor Konaschenkow. Carters Sprecher Peter Cook sagte, nach dieser "konstruktiven Unterhaltung" wollten beide Seiten die Gespräche fortsetzen. Es war das erste Mal seit seinem Amtsantritt im Februar dieses Jahres, dass Carter direkten Kontakt mit Schoigu hatte.

Kerry betont gemeinsame Ziele

Auch US-Außenminister John Kerry betonte bei einem Besuch in London die Gemeinsamkeiten seines Landes mit Russland im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). "Wir haben die gleichen Ziele", sagte Kerry dem britischen Fernsehsender Channel 4. "Der IS muss zerstört, komplett gestoppt werden", sagte Kerry.

Gemeinsame Gespräche mit Russland seien notwendig, um die militärischen Operationen gegen den IS, etwa in Syrien, zu koordinieren. Kerry kündigte an, die USA würden ihre Bemühungen im Kampf gegen den IS verstärken. "Und wir müssen sicherstellen, dass diese sich nicht überschneiden mit Russlands Bemühungen – es ist also offensichtlich, dass Konversation notwendig ist."

56 Tote befürchtet

Islamistische Rebellen in Syrien sollen indes nach Informationen oppositionsnaher Beobachter bei einer Massenhinrichtung 56 Angehörige der regierungstreuen Streitkräfte erschossen haben. Die Soldaten seien vor einigen Tagen im Luftwaffenstützpunkt Abu al-Duhur im Nordwesten Syriens exekutiert worden, berichtete die "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte" am Samstag unter Berufung auf Zeugen vor Ort.

Die Basis war am 9. September von einem Islamistenbündnis erobert worden, dem auch die der Al-Kaida nahestehende Nusra-Front angehört. Bei Luftangriffen der syrischen Streitkräfte auf die von der Islamisten-Miliz IS gehaltene Stadt Palmyra wurden der Organisation zufolge am Freitag mindestens 26 Menschen getötet. Unter den Toten seien auch zwölf IS-Kämpfer. Der Islamische Staat (IS) hatte Palmyra im Mai von Regierungstruppen erobert.

Die Beobachtungsstelle mit Sitz in Großbritannien erhält ihre Informationen von einem Netzwerk von Medizinern und Aktivisten vor Ort, ihre Angaben sind von unabhängiger Seite kaum zu überprüfen. (APA/Reuters, 19.9.2015)

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