Wandern auf den Spuren des Alltags

19. September 2015, 09:00
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Mehr als 100.000 Besucher haben sich bereits zu einem Ausflug in das "ÖTSCHER:REICH" entschlossen. Noch bis zum 1. November lädt die niederösterreichische Landesausstellung zu einem außergewöhnlichen Blick auf die alpine Heimatgeschichte im Mostviertel

Sankt Pölten – Einer der letzten Urwälder der Alpen, die verzweigten Schluchten der Ötschergräben, die Geschichte von Glaube und Pilgerwesen, das Hämmern der Schmiede in der Eisenstraße, das Leben der Holzfäller, die Entdeckungen des Carolus Clusius, die knallrote Dirndlfrucht, die sternenklare Dunkelheit von Puchenstuben und die Biografien von Visionären und Pionieren des gesamten Alpenraums – das ist der Stoff, aus dem die Geschichten für die, noch bis 1. November laufende, niederösterreichische Landesausstellung "ÖTSCHER:REICH – Die Alpen und wir" geschrieben sind. Der Streifzug durch die alpine Welt des Mostviertels – mit dem Ötscher als markantesten Gipfel des östlichen Alpenbogens vor Wien als Ausgangspunkt – definiert somit auch die bedeutendsten "Exponate" der Landesaustellung: Es sind die Menschen der Region um den Ötscher selbst.

Treffen mit Menschen

Das ÖTSCHER:REICH steht damit in erster Linie für die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität anstatt der Präsentation von teuren Kunstschätzen hinter Ausstellungsvitrinen. Gegenstände aus dem alltäglichen Leben finden Einzug in die Ausstellung und werden durch die Kontextstellung zu etwas Besonderem.

Um das alltägliche Leben im alpinen Mostviertel auch museal "einfangen" zu können, müssen die Ausstellungskoordinatoren die Wanderschuhe schnüren. Ausstellungsgestalter Beat Gugger aus der Schweiz hat gemeinsam mit dem regional verankerten Ausstellungsmacher Gerhard Proksch über 10.000 Kilometer im Ötscherland für die Recherche zurückgelegt. "Von Museum zu Museum, von Küchentisch zu Küchentisch wurden Fragen über Fragen gestellt. So ist die Landesausstellung entstanden", so Beat Gugger über die Vorgangsweise. "Das zeigt schon in der Vorarbeit das Ungewöhnliche: Die Menschen, die Region, die vielen einzelnen Geschichten stehen im Vordergrund."

Treffen auf Banalitäten

Bewusst habe man versucht, die Region mit all ihren verborgenen Schätzen ins Zentrum zu rücken und Fragen zu stellen nach scheinbaren Banalitäten: Wie war das mit dem Flicken des Gewandes? Gibt es selbstgebaute Geräte, irgendwo, vielleicht vergessen in einem Winkel? Eventuell Dinge die den Alltag erleichtert haben? So ist es gelungen, eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, mit dem Anspruch, die Region mit dem Alpenraum zu verbinden.

Wesentlich war dabei vor allem der Blick nach außen, hin zum gesamten Alpenraum. Verantwortlich für diesen alpinen Weitblick zeichnen sich der renommierte Alpenforscher Werner Bätzing sowie der aus dem alpinen Mostviertel stammende Wirtschaftswissenschafter Ernst Bruckmüller.

Treffen mit Pionieren

Entsprungen sind dem wissenschaftlichen Wanderausflug letztlich drei Ausstellungsstandorte. In der Ausstellung in Neubruck begegnen die Besucher Pionieren und Visionären des Alpenraumes. Diese spannenden Persönlichkeiten haben erkannt, dass das Leben in den Alpen besondere Innovationen erfordert. Die Ausstellung erzählt über die Gewinnung und Verarbeitung regionaler Rohstoffe wie Eisen und gibt Einblicke in Leben und Alltag der Schmiedegesellen, der Hammerherren und deren Frauen. Naturwissenschaftliche Entdeckungen und Entwicklungen der Vergangenheit eröffnen neue Perspektiven auf Gegenwart und Zukunft der Region.

Treffen mit dem Vater

Die Ausstellung in Frankenfels-Laubenbachmühle, dem Betriebszentrum der Mariazellerbahn, bietet Einblicke in die traditionellen Lebenswelten der Region. Auf zwei Ebenen erfahren die Besucher mehr über die landwirtschaftliche Nutzung in den Voralpen, das Leben der protestantischen Holzknechte und werden zu Pilgern auf dem Weg nach Mariazell.

Von Frankenfels-Laubenbachmühle erreicht man dann mit der "Himmelstreppe" der Mariazellerbahn das Naturparkzentrum Ötscher-Basis. Hier steht die Begegnung mit dem "Väterchen" im Vordergrund. Vom gemütlichen Spaziergang bis zur anspruchsvollen Wanderung lockt hier die Exkursion ins ÖTSCHER:REICH. (Markus Rohrhofer, Spezial, 19.9.2015)


Spezial Ötscher:Reich ist eine entgeltliche Einschaltung in Form einer Kooperation mit der NÖ Landesausstellung. Die redaktionelle Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Satt-grüne Landschaften, wildromantische Flüsse und über allem der erste Vorbote der Alpen: Der Ötscher ist das beherrschende Bergmassiv im südwestlichen Niederösterreich.
    foto: weinfranz

    Satt-grüne Landschaften, wildromantische Flüsse und über allem der erste Vorbote der Alpen: Der Ötscher ist das beherrschende Bergmassiv im südwestlichen Niederösterreich.

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