Digital News Initiative: Google finanziert Medienprojekte ab Oktober

18. September 2015, 13:18
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Inzwischen 40 österreichische Partner – "Es geht nicht darum, dass Google den Journalismus repariert"

Als Google seine Digital News Initiative (DNI) vorstellte, stieß diese nicht nur bei vielen österreichischen Medienmachern und Verlegern auf große Skepsis. Inzwischen seien die Medien aufgeschlossener, erklärte Madhav Chinnappa, Head of Strategic Partnership bei Google, im APA-Interview. Alleine in Österreich gebe es inzwischen mehr als 40 Partner. Sie können Google ab Oktober um Geld bitten.

Allerdings sind derzeit nur acht von diesen heimischen Unternehmen – darunter "Heute", die "Kronen Zeitung" und "oe24.at" sowie die Onlineplattform "Dossier" – auch online als Partner zur finden. Die anderen – laut Chinnappa Start-ups und Boulevardzeitungen ebenso wie Qualitätszeitungen – hätten ihr Engagement der Öffentlichkeit momentan noch nicht bekannt gegeben. "Es ist ganz klar, dass wir daran gemessen werden, ob wir unser Ziel erreichen, Innovationen im digitalen Journalismus zu fördern", meinte Chinnappa, der am Mittwoch auch einen Vortrag bei den 22. Österreichischen Medientagen halten wird.

Produktentwicklung, Training und Forschung

Google fokussiert mit der DNI drei Aspekte: die Produktentwicklung, Training und Forschung sowie Innovationsfinanzierung, wofür demnächst ein Fördertopf bereitgestellt wird. Derzeit werde das Prozedere noch finalisiert, Bewerbungen sollen spätestens ab Anfang Oktober möglich sein. 150 Millionen Euro sollen in den nächsten drei Jahren investiert werden. "Wichtig ist uns auch zu betonen: Ideen und Innovationen, die von der DNI finanziert werden, müssen überhaupt nichts mit Google zu tun haben", so Chinnappa. Ebenfalls noch heuer soll das DNI-Trainingsprogramm in Österreich starten.

Grundsätzlich gehe er davon aus, "dass die meisten Medien sehr daran interessiert sind, Innovation gemeinsam zu fördern". Die ursprüngliche Skepsis sei vor allem geschwunden, als Verleger die unterschiedlichen Beteiligungen an der DNI erkannt hätten. Denn es sei natürlich möglich, nur an einzelnen Bereichen teilzunehmen. Zudem sei nun klarer, dass die DNI allen Unternehmen und Projekten unterschiedlicher Größe offenstehe.

Generell zeigte sich der Head of Strategic Partnership zufrieden mit dem Erfolg der Initiative: Man habe einen guten Start hingelegt, aber natürlich noch eine lange Reise vor sich, erklärte er. Mehr als 1.000 Medien und Projekte aus ganz Europa hätten inzwischen Interesse an dem Projekt gezeigt. Als einen der ersten Erfolge nannte Chinnappa etwa die erstmalige Ausweitung des jährlichen Digital News Reports des Reuters Institute auf Österreich – die Ergebnisse sollen im Oktober vorliegen.

Kritik

Kritiker bezeichnen Googles Projekt allerdings immer wieder als reines Marketinginstrument, mit dem der Konzern das nach dem Streit um das Leistungsschutzrecht angeschlagene Verhältnis zu den europäischen Verlegern verbessern will. Ganz so will Chinnappa das nicht sehen, auch wenn er "Kommunikationsprobleme" eingesteht: "Wir haben immer versucht, ein guter Partner der Medien zu sein. Allerdings haben wir uns auf unterschiedlichen Pfaden bewegt, was den Dialog zwischen beiden Seiten manchmal ein bisschen schwierig gemacht hat."

In Sachen Leistungsschutzrecht zeigte sich Chinnappa zurückhaltend: "Wir arbeiten hart daran, Verlegern zu helfen, Leser zu gewinnen und auch online Umsatz zu machen. Jeden Tag bringt Google Leser zum Angebot der Medien, und jeder dieser Besuche bringt Einnahmen für die jeweilige Website. Trotzdem steht es ihnen frei, zu entscheiden, ob ihre Inhalte in Google-Produkten erscheinen oder nicht."

Google bekenne sich jedenfalls dazu, "unseren Beitrag zu leisten, um qualitativ hochwertigen Journalismus auch langfristig erfolgreich zu machen". Denn dieser sei nicht nur eine wichtige demokratiepolitische Kraft, sondern Nachrichten und Qualitätsjournalismus seien auch wichtig für die Google-User. Mit der DNI wolle man Unternehmen aller Größe den Platz geben, Neues auszuprobieren und so besser auf die Digitale Revolution reagieren zu können. "Es geht nicht darum, dass Google den Journalismus repariert, sondern um Produktinnovationen und Ideen, von dem das ganze Nachrichten-Ökosystem profitiert."

Vor den Umbrüchen und der immer größer werdenden Bedeutung von Sozialen Netzwerken als Nachrichtenverteiler müssten sich klassische Medien dennoch nicht fürchten: "Es sind herausfordernde Zeiten. Aber Innovation lebt von Risiken und dem Ausprobieren. Fehler werden gemacht werden, aber das ist eine gute Sache. Das sind Zeiten, in denen man wirklich lernt." (APA, 18.9. 2015)

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