Erste Schritte auf dem Weg zur TAU-Impfung gegen Alzheimer

18. September 2015, 10:47
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Die Impfung, an der Forscher der Med-Unis Wien und Graz forschen, soll eine weitere Verschlechterung der Gedächtnisleistung stoppen

Rund zehn Prozent aller Menschen über 65 Jahre und ein Drittel der Über-80-Jährigen leiden an der Alzheimer Demenz. Insgesamt sind derzeit in Österreich rund 90.000 Menschen betroffen. Der internationale Forschungsschwerpunkt ist die Entwicklung klinischer Therapien.

Auch an der MedUni Wien – dort läuft in Kooperation mit der MedUni Graz eine Phase I-Studie für die Entwicklung einer Tau-Protein-basierten Impfung. Tau-Proteine sind maßgeblich am Stofftransport innerhalb der Nervenzellen beteiligt. Wenn die Proteine hyperphosphorilieren, ist der Stofftransport gestört, es kommt zu Funktionsstörungen und führt schließlich zum Zelltod. Diese Störung in den Nervenzellen ist mitverantwortlich für die Entstehung der Alzheimer-Erkrankung.

Entgleisende Nervenzellen

"Die Verträglichkeit unserer Impfung ist gut", berichtet Studienleiter Peter Dal-Bianco anlässlich des bevorstehenden Welt-Alzheimertags am 21. September. Eine Immunisierung gegen diese Ursache der Alzheimer-Demenz könnte bereits in einigen Jahren zur Verfügung stehen, heißt es von der Uni. Derzeit läuft eine Phase II-Studie an Patienten.

Die Impfung soll die Reduktion des pathologischen Taus bewirken und damit die weitere Verschlechterung der Gedächtnisleistung stoppen. "Die Tau-Proteine funktionieren wie die Schwellenschrauben bei den Schienen im Zugverkehr. Geraten die 'Schrauben' aus der Verankerung, führt das zur Entgleisung. Genau das passiert auch bei der Alzheimer-Erkrankung", sagt der Experte. Der Stofftransport auf den Tubuli im Axon (Nervenfortsatz) entgleise, wenn das Tau-Protein hyperphosphoryliert.

Wachsendes Problem

Demenz ist generell ein wachsendes Problem in unserer Gesellschaft, in der die Menscheneine immer höhere Lebenserwartung haben. Weltweit sind 46 Millionen Menschen davonbetroffen, Tendenz steigend. Laut Welt-Alzheimer-Bericht 2015 erkrankt alle 3,2 Sekunde irgendwo auf der Erde ein Mensch an einer Demenz, die Zahl der Betroffenen soll sich bis 2050 fast verdreifachen.

Dann wird es, so der Bericht, rund 131 Millionen Demenz-Kranke weltweit geben. Rund zwei Drittel von ihnen sind von der Alzheimer-Krankheit betroffen. "Wir können Alzheimer derzeit weder verhindern noch heilen, aber wir können den Ausbruch der Krankheit durch die richtigen Maßnahmen ins hohe Alter verschieben", sagt Dal-Bianco.

Vorsorge möglich

Durch die richtigen präventiven Maßnahmen sei es möglich, den Ausbruch der Krankheit zu verzögern. Dazu gehören etwa viel körperliche Bewegung, normaler Blutdruck, kein Übergewicht, soziale Kontakte, lebenslange Neugier und Lernbereitschaft, der Verzicht aufs Rauchen und der vermehrte Verzehr von Fisch, Gemüse und Obst.

"Bewegungsträge Menschen haben ein um 80 Prozent erhöhtes Alzheimer-Risiko im Vergleich mit körperlich aktiven Menschen", sagt Dal Bianco. Schon bei einer Reduktion dieses Risikos um 25 Prozent würden etwa eine Million Menschen weltweit die Alzheimer-Krankheit nicht erleben", so der MedUni-Experte. Das heißt: Die klinischen Symptome der Alzheimer würde erst nach ihrem altersbedingten, natürlichen Tod auftreten. (red, 18.9.2015)

  • Alzheimer ist weltweit auf dem Vormarsch.
    foto: apa/dpa-zentralbild/jens kalaene

    Alzheimer ist weltweit auf dem Vormarsch.

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