Ausgebliebene Zinswende verschreckt Aktienanleger

18. September 2015, 11:40
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Chinas Börsen reagieren erleichtert, Tokioter Börse belastet

Shanghai/Tokio – Die Verschiebung der Zinswende in den USA hat an den chinesischen Aktienmärkten am Freitag für Erleichterung gesorgt. Die Leitbörse in Shanghai schloss 0,4 Prozent höher. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann ebenfalls 0,4 Prozent. "Eine Erhöhung der Zinsen in den USA hätte neue Sorgen vor einer Kapitalflucht geweckt", sagte der Analyst Yang Hai vom Wertpapierhändler Kaiyuan Securities. "Dass die Zinsen unverändert sind, ist daher positiv."

Negative Vorzeichen

In Japan dominierten hingegen die negativen Vorzeichen. Die Entscheidung der US-Notenbank (Fed) habe Sorgen um die Konjunktur geschürt, sagten Händler. Der Leitindex Nikkei schloss mit einem Minus von zwei Prozent bei 18.070 Punkten. Aus Rücksicht auf den schwächelnden Wirtschaftsriesen China und die unsicheren Aussichten für die globale Konjunktur hatte die Fed am Donnerstag auf die erste Zinserhöhung seit fast zehn Jahren verzichtet.

Auch Europas Aktienanleger hat die Verschiebung der Zinswende zum Wochenschluss ordentlich Kopfschmerzen bereitet. Die Entscheidung der Notenbank schüre Sorgen um den Zustand der Konjunktur, sagte John Plassard vom Vermögensverwalter Mirabaud Securities. Zudem laste die Unsicherheit auf den Märkten, wann die Fed nun endlich aktiv werde. Dax und EuroStoxx50 gaben jeweils rund 1,8 Prozent nach. Nach unten ging es auch für den Dollar, weil die Aussicht auf vorerst anhaltende niedrige Zinsen Investitionen im US-Währungsraum weniger attraktiv macht. Der Euro kletterte am Freitag auf 1,1458 Dollar und notierte damit auf dem höchsten Stand seit mehr als drei Wochen. Zur japanische Landeswährung fiel der Dollar um 0,8 Prozent auf 119,07 Yen zurück.

Zwei Sichtweisen

Händler sagten, die Fed-Entscheidung könne auf zwei unterschiedliche Weisen interpretiert werden: Einerseits seien die Anleger beunruhigt, dass die US-Wirtschaft offenbar nicht genug wachse, um eine Zinswende zu rechtfertigen. Andererseits sorge die nun anhaltende lockere Geldpolitik der USA für eine Stützung der globalen Aktienmärkte.

"Nach dem Warten ist vor dem Warten", lautet das Resümee der Helaba-Analysten. Die Tür für eine "Normalisierung der Geldpolitik" sei "aber geöffnet". Fed-Chefin Janet Yellen habe einen ersten Zinsschritt noch in diesem Jahr zumindest in Betracht gezogen. Zudem habe sie klar gemacht, dass nicht der Zeitpunkt der Zinswende, sondern der Leitzinspfad maßgeblich sei. (APA, 18.9.2015)

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