Charlie Hebdo in Potsdam mit Medienpreis geehrt

17. September 2015, 22:25
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Chefredakteur bezeichnet Preis als "Trost"

Potsdam – Unter enormen Sicherheitsaufwand ist in Potsdam die Redaktion des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" mit einem renommierten Medienpreis ausgezeichnet worden. Das islamistisch motivierte Attentat auf die Redaktion sei ein "Anschlag auf Freiheit und Demokratie" gewesen, sagte der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bei der Verleihung des M100 Media Award am Donnerstagabend.

"Charlie Hebdo"-Chefredakteur Gerard Biard bezeichnete den Preis als "Trost" für die Redaktion. Zwar seien die Preisstifter nicht mit allem einverstanden, was das Magazin gedruckt hat, "aber sie glauben an die gleichen Werte."

Bei dem Anschlag auf die Pariser Redaktionsräume des Magazins hatten Anfang Jänner zwei Islamisten neun Mitarbeiter und drei weitere Menschen getötet. Die dem jemenitischen Arm von Al-Kaida nahestehenden Attentäter hatten ihren Anschlag mit den zahlreichen Mohammed-Karikaturen des Magazins begründet. "Wir haben anders als behauptet nie den Islam oder Muslime kritisiert", sagte Biard. "Wir kritisieren den Islamismus als politische Ideologie." Die ersten Opfer des "totalitären Islamismus und seiner Schergen" seien weltweit immer und zuerst Muslime.

"Außergewöhnlich hoher" Sicherheitsaufwand

Presse- und Meinungsfreiheit seien ein Unterpfand der Demokratie, die es zu verteidigen gelte, sagte Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Die Preisverleihung im Rahmen einer Konferenz zum 70. Jahrestag des Potsdamer Abkommens begleitete die Potsdamer Polizei nach eigener Darstellung mit einem "außergewöhnlich hohen" Sicherheitsaufwand. Biard und andere Teilnehmer seien "gefährdet".

"Ihre Zeitung ist frech und frivol und wütend und immer wieder unerträglich", sagte der Jurist und Autor Ferdinand von Schirach in seiner Laudatio. "Wir bitten Sie, machen sie weiter mit 'Charlie Hebdo'." Biard sagte, niemand in der Redaktion habe vor dem Anschlag ein Held sein wollen und auch kein Symbol für etwas. "Die Überzeugung und Werte, für die wir eintreten, sind universelle Werte, die allen gehören und für die jeder kämpfen muss", sagte Biard.

Biard äußerte sich auch zu der jüngsten Kritik an den "Charlie Hebdo"-Karikaturen, die Bezug auf das Foto eines im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlingsjungen nahmen. Biard sagte, damit habe deutlich gemacht werden sollen, dass der Westen den tausenden Flüchtlingen außer Konsumkultur nichts zu bieten habe. "Man muss mit dieser Meinung nicht einverstanden sein, aber wer deshalb zum Mord aufruft, verwechselt Meinung mit Verbrechen", sagte Biard. (APA, 17.9.2015)

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