Islamist griff Polizistin an: 41-Jähriger in Berlin erschossen

18. September 2015, 06:51
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Der Iraker war bereits wegen Mitgliedschaft in einer Terrorgruppe verurteilt

Berlin – Ein Islamist ist nach einem Messerangriff auf eine Polizistin am Donnerstag in Berlin von der Polizei erschossen worden. Bei dem Angreifer handelte es sich um den 41-Jährigen Rafik Y., teilte die Staatsanwaltschaft am frühen Abend mit. Er war demnach als gefährlich eingestuft und stand unter polizeilicher Beobachtung.

Y. war 2008 in Stuttgart zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden, nachdem er zusammen mit Komplizen im Jahr 2004 einen Mordanschlag auf den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Iyad Allawi während eines Berlin-Besuchs geplant hatte.

Angriff mit Messer

Die Polizei war nach eigenen Angaben am Donnerstagvormittag per Notruf darüber informiert worden, dass ein Mann im Bezirk Spandau Passanten auf dem Gehweg bedrohe und sich seltsam verhalte, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Als ein Beamter und eine Beamtin dort aus ihrem Auto ausgestiegen seien, habe der Mann die Beamtin mit dem Messer angegriffen.

Im Anschluss kam es zu einem Handgemenge, bei dem auch der andere Polizist attackiert worden sei, sagte Staatsanwaltschaftssprecher Martin Steltner. Dabei habe dieser mehrere Schüsse abgegeben. Der später als Y. identifizierte Angreifer wurde dabei verletzt und starb wenig später.

Schuss traf Polizistin

Auch die Polizeibeamtin sei durch einen Schuss ihres Kollegen versehentlich getroffen worden, sagte Steltner. Zuvor habe Y. sie durch Messerstiche an Hals und Schulter schwer verletzt. Die Polizistin wurde mit einem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht, sie war am Abend laut Staatsanwaltschaft nicht mehr in Lebensgefahr. Insgesamt waren auf den Notruf hin vier Funkstreifenwagen in die Berliner Heerstraße beordert worden.

Passanten wurden bei dem Vorfall offenbar nicht verletzt. Allerdings prüften die Behörden noch einen möglichen Zusammenhang mit einem anderen Messerangriff, der sich zuvor ereignet hatte.

Fußfessel abgestreift

In der Wohnung des Mannes seien Papiere gefunden worden, die nun ausgewertet würden, sagte der Berliner Innensenator Frank Henkel im RBB. "Fakt ist: Der Mann ist Islamist", sagte er. "Inwieweit eine Szene dahintersteckt oder nicht, dafür ist es noch zu früh."

Y. war 2008 vom Oberlandesgericht Stuttgart zu acht Jahren Haft verurteilt worden – neben der Beteiligung an Plänen für das Attentat an Allawi auch wegen der Mitgliedschaft in der radikalislamischen Terrorvereinigung Ansar al-Islam (Helfer des Islam).

Da die Untersuchungshaft angerechnet wurde, kam Y. im März 2013 frei, wurde vom Bundeskriminalamt aber als islamistischer Gefährder eingestuft. Laut Staatsanwaltschaft stand er zum Zeitpunkt des Messerangriffs unter polizeilicher Führungsaufsicht. Er habe auch eine elektronische Fußfessel tragen müssen, die er aber vor der Tat abgestreift habe. Y. wohnte in Berlin.

Oberstaatsanwalt Dirk Feuerberg hatte am Donnerstag gesagt, es sei noch zu früh für eine Einschätzung, ob der Angriff terroristisch motiviert war und ob Y. ihn vorbereitet hatte. "Er ist mehrfach in Erscheinung getreten, weil er ausgesprochen aggressiv auftrat", sagte Feuerberg. Es habe mehrere Bedrohungsfälle gegeben. Diese habe er damit gerechtfertigt, dass die Opfer gegen seine Religion verstoßen hätten. (APA, dpa, 17.9.2015)

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