Positive Vorzeichen auf der Güterschiene

18. September 2015, 09:00
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Die einst schwer angeschlagene Rail Cargo Group hat sich zu einem einträglichen Geschäftszweig im ÖBB-Konzern entwickelt. Mit neuen Produktionsformen und Innovationen wie dem "InnoWaggon" will man auf Erfolgkurs bleiben

Wien – Die Rail Cargo Group (RCG), Teilkonzern der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), ist in den vergangenen vier Jahren aus dem wirtschaftlichen Jammertal herausgefahren und hat sich ökonomisch gefestigt. Mit einem Umsatz von 2,1 Milliarden Euro, 110 Millionen beförderten Gütertonnen und einem EGT von 104 Millionen Euro hat der Güterkonzern der ÖBB im Vorjahr eigenen Angaben zufolge das beste Ergebnis im Güterverkehr eingefahren.

Vor fünf Jahren sah die Güterwelt der ÖBB bedrohlich aus: Im Jahr 2010 sorgte ein Minus von 350 Millionen Euro in der Bilanz beim Eigentümer Staat für Sorgenfalten. Dank eines straffen Sanierungskurses hat sich die Lage weitgehend entspannt.

Die ÖBB sind heute stark in Europa präsent und transportieren Cargo in 18 Ländern von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer und in den adriatischen Raum. In Österreich und Ungarn ist die RCG der Platzhirsch, in den südlichen Ostbalkanländern und in Richtung Türkei wird derzeit gerade mit viel Elan am Aus- und Aufbau der eigenen Produktion gearbeitet, sprich mit eigenen Loks werden die Züge grenzüberschreitend gefahren. Aber nicht nur das: Das gesamte Gütergeschäft der Bahn befindet sich derzeit in einem großen Wandel von der früheren Güterbahn hin zur Systembahn, betont Reinhard Bamberger, Mitglied des Vorstandes der RCG.

Neue Logik

Dieser Wandel zur Systembahn manifestiert sich im Aufbau eigener Strukturen, eigener Netzwerke und der ständig steigenden eigenständigen Produktion. "Wir folgen jetzt einer neuen Logik", sagt Bamberger. Diese Logik besteht in neuen Produktionsformen, das Netz von Systemzügen mit hohem Qualitätsanspruch ist ein Beispiel dafür. "Die von uns autark angebotenen Züge unterliegen strengen Qualitätsanforderungen. Damit wollen wir unsere Kunden beziehungsweise Verlader begeistern", sagt der Manager. "Wir lasten unsere Züge zu 100 Prozent selbst aus und produzieren sie, wo möglich, in Eigenregie."

Die gesamte Transportkette in eigener Hand zu haben, ermöglicht es, bei allfälligen Ungereimtheiten sofort eingreifen und nachsteuern zu können. Daraus ergibt sich die Chance, die Wertschöpfung beim Kunden zu vertiefen, günstiger zu produzieren und die Produktionskosten im eigenen Haus zu senken.

Konkretes Beispiel für den Wandel ist ein Ganzzugverkehr zwischen Italien und Polen mit der Option, dieses System in Richtung Weißrussland und GUS-Staaten auszuweiten. Aber auch der Balkanzug, die Rumänienzüge und der GUS-Express sind Zugprodukte, bei denen einzelne Wagons oder Wagongruppen gebündelt werden. Von diesem Bündelungseffekt verspricht sich Bamberger viel. Erst kürzlich gestartet wurde ein neuer Systemzug zwischen Linz und Antwerpen. Die operative Herausforderung dabei ist, in Linz die mit Cargo beladenden Wagons aus der Balkanregion mit dem neuen Zug nach Belgien optimal zu verknüpfen und den Güterkunden genau sagen zu können, wann die Wagons abgeholt werden, wie lange sie unterwegs sind und wann sie beim Empfänger eintreffen werden. In einer Innovationsgemeinschaft mit der steirischen Innofreight-Gruppe in Bruck/Mur und der Voestalpine wurde eine Serie neuartiger Container für den Schüttguttransport entwickelt, die schon erfolgreich in ganz Europa im Bahntransport verwendet werden. Das Neue dabei: Transportbehälter und Wagon werden technisch voneinander getrennt. Das ist ein Systembruch, heißt in der Praxis "InnoWaggon" und wurde von Innofreight entwickelt. Umschlag und Handling der Container sind bei diesem Bahnwagon unkompliziert: Die Entladung eines Containers dauert nur drei Minuten.

Das gesamte Gütergeschäft der Bahn befindet sich derzeit ein einem umfassenden Wandel von der früheren Güterbahn hin zur Systembahn: eigene Strukturen, Netzwerke und steigende Eigenproduktion. (Markus Trostmann, 17.9.2015)

  • Artikelbild
    foto: öbb/rcg
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