Schriftstellerin: "Kunst ist ebenso ein Handwerk"

19. September 2015, 12:00
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Autorin Isabella Feimer musste stets zusätzlich für ihre Miete jobben. Aber das "Wissen, wie es ist, heiße Teller zu servieren" half ihr beim Schreiben

Nach einer Lesung habe sie ein Besucher gefragt, was sie beruflich mache, erzählt Isabella Feimer. Sie sei Schriftstellerin, antwortete sie – und der Mann habe sie irritiert angeschaut.

"Von Beruf 'Künstlerin' zu sein, löst bei vielen immer noch viel Verwunderung aus", sagt Feimer. Für sie nur schwer begreiflich: "Ich sehe Kunst auch als Handwerk an, schließlich beschäftige ich mich ja täglich damit, daher bin ich immer ganz überrascht, wenn Menschen das nicht als Job sehen."

Nebenjob: Sexshop

Ihrem Traumberuf, ihrer Berufung, sei sie stets mit großem Ehrgeiz nachgegangen, sagt die 39-Jährige, davon leben konnte sie jedoch selten – um ihre Miete bezahlen zu können, musste Feimer immer wieder anstrengenden – "zum Teil auch skurrilen" – Nebenbeschäftigungen nachgehen: Sie verteilte Flyer, jobbte als Kellnerin – und arbeitete, "aus der Not heraus", als Verkäuferin in einem Sexshop – für sie der "seelisch heftigste Job": Starre Firmenstrukturen hätten ihr nach einiger Zeit ebenso zugesetzt, wie die Geschichten mancher Kunden, "die ihr Verlangen nach Liebe und Leidenschaft mit diversen Gerätschaften kompensieren wollen", sagt die Schriftstellerin. "Ich hatte das Gefühl, dass ich therapeutische Arbeit leisten muss."

Erfahrungen machen kreativ

So anstregend diese Arbeitserfahrungen aber auch gewesen sein mögen, haben sie schließlich ihren künstlerischen Schaffensprozess angekurbelt: Aus ihren Begegnungen im Sexhop ist der Text "Pornoladen" entstanden, aus dem Kellnerinnenjob ein Roman über einen afghanischen Koch. "Das Wissen, wie es ist, heiße Teller zu servieren" habe ihr beim Schreiben sehr weitergeholfen, sagt Feimer, die überzeugt ist: "Je mehr man auch in andere Bereiche reinschnuppert, etwas erlebt, etwas machen muss, das nichts mit dem eigenen Metier zu tun hat, erweitert das die Kreativität".

Nicht auf großem Fuß

Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, habe sie aber eine Zeitlang gebraucht: "Anfangs dachte ich mir oft, dass ich lieber zu Hause sitzen und schreiben will. Aber letztendlich haben diese Nebenjobs mich weitergebracht, Welten geöffnet und mir geholfen, mich in der Kunst weiter zu entwickeln." Und das mit Erfolg: Dem Prosatext folgte ein zweiter Roman, dann ein Reiseratgeber – ab Oktober wird ihr viertes Buch ("Trophäen") im Handel erhältlich sein.

"Auf großem Fuß" lebt die Schrifstellerin aber trotzdem nicht: "Ich gehe nicht jeden Tag fort und kann nicht andauernd auf Reisen sein", aber ab und zu leiste sie sich schon etwas: "Hin und wieder hätte ich auch gern ein Paar neue Schuhe." Was die 39-Jährige am Schreiben besonders begeistert? "Das Arbeiten mit Spache und Stil", sagt sie, aber auch "das Weltenerschaffen", das Kreieren von Fiktion aus Realität – "und manchmal auch umgekehrt." (Lisa Breit, 19.9.2015)

  • Mit 15 schrieb Isabella Feimer bereits Gedichte, bald auch Kurzgeschichten. Nach dem Studium der Theaterwissenschaften war sie als freie Theaterregisseurin tätig, das Schreiben habe sie "aber nie losgelassen". Zum ersten Buch habe es dann doch "mehrere Texte in der Schublade gebraucht, bis einer da war, der gut genug ist, um Literatur zu sein".
    foto: michael winkelmann

    Mit 15 schrieb Isabella Feimer bereits Gedichte, bald auch Kurzgeschichten. Nach dem Studium der Theaterwissenschaften war sie als freie Theaterregisseurin tätig, das Schreiben habe sie "aber nie losgelassen". Zum ersten Buch habe es dann doch "mehrere Texte in der Schublade gebraucht, bis einer da war, der gut genug ist, um Literatur zu sein".

  • Im internationalen Vergleich sei die Situation von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in Österreich "nicht so schlecht", sagt Feimer. Trotzdem stehen auf ihrem Wunschzettel: "mehr Plattformen für Austausch. Manchmal ist man in diesem Beruf Einzelkämpfer."
    foto: ap/michael probst

    Im internationalen Vergleich sei die Situation von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in Österreich "nicht so schlecht", sagt Feimer. Trotzdem stehen auf ihrem Wunschzettel: "mehr Plattformen für Austausch. Manchmal ist man in diesem Beruf Einzelkämpfer."

  • Wer sich für einen Kunstberuf entscheide, wisse meist, damit finanziell schlecht abgesichtert zu sein, sagt Feimer. "Kunst und Geld sind halt manchmal nicht zu vereinbaren."
Manche haben aber auch Glück und landen einen Bestsellerroman nach dem anderen. Im Bild: Die Britin J. K. Rowling 2010 bei der Verleihung des Hans Christian Andersen Literature Award.

    Wer sich für einen Kunstberuf entscheide, wisse meist, damit finanziell schlecht abgesichtert zu sein, sagt Feimer. "Kunst und Geld sind halt manchmal nicht zu vereinbaren."

    Manche haben aber auch Glück und landen einen Bestsellerroman nach dem anderen. Im Bild: Die Britin J. K. Rowling 2010 bei der Verleihung des Hans Christian Andersen Literature Award.

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