"Refugee Mario": Das Flüchtlingsdrama als Spiel

19. September 2015, 10:00
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Syrer zeigt gefährliche Flucht nach Europa – Macher: Spiele wie "Mario" seien eine "weltweite Sprache"

Auch wenn Nintendo-Held "Super Mario" sich immer wieder mächtigen Gegnern und Gefahren stellt, besteht die gleichnamige Reihe eigentlich aus durchwegs freundlichen, bunten Spielen. Doch die muntere Hüpferei lässt sich auch in einen anderen Kontext stellen. Das tut ein 29-jähriger Syrer, der online unter dem Pseudonym Samir Al-Mufti publiziert nun mit "Refugee Mario" das "Spiel zur Flüchtlingskrise", berichtet die BBC.

Der Clip zeigt ein scheinbar gewöhnliches Level aus dem bekannten Jump-and-Run. Doch anstelle von Goombas und Schildkröten sind es Schlepper und Soldaten, denen die Spielfigur in einem Youtube-Video begegnet. Es zeigt auf diese Weise metaphorisch den gefahrvollen Weg von Syrien über die Türkei, Griechenland bis in die EU – inklusive wo der Weg in einem Flüchtlingslager endet.

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Englische Untertitel für die arabischen Beschriftungen lassen sich über das entsprechende Icon im Youtube Player-Menü aktivieren.

Spielerische Metapher

Das Geschehen ist mit der eigenen Geschichte des Youtubers und Erlebnissen seiner Freunde verknüpft. Sein bester Freund, erklärt er, ertrank im Mittelmeer auf dem Weg von der Türkei nach Griechenland, weil der Motor des maroden Schiffes explodierte.

Er selbst floh bereits 2011 aus der zentralsyrischen Provinz Homs. Dort tobten damals schwere Auseinandersetzungen zwischen Rebellen und dem syrischen Regimeführer Bashir al-Assad. Mittlerweile hat die Terror-Miliz Islamischer Staat Teile der Region erobert.

"Ich brauchte eine simple und klare Idee, die funktionieren würde, egal in welcher Sprache", erklärte Al-Muftig gegenüber der BBC. "Ich habe ‚Super Mario‘ genutzt, weil es weltweit bekannt ist. Es ist wie Musik – eine gemeinsame Sprache."

Viel Aufmerksamkeit

200.000 Views verzeichnet der Clip mittlerweile. Der Erfolg überrascht den Macher selbst. Er freut sich, dass das Werk rund um die Welt Beachtung findet. Vor seiner Flucht studierte er Französisch an der nationalen Universität in Homs und war als PR-Beauftragter eines Unternehmens tätig. Mittlerweile lebt er mit Eltern und Schwester in Istanbul. Seine Brüder sind im Bürgerkrieg umgekommen.

Er sei schon vor Ausbruch des Bürgerkrieges ins Visier des Assad-Regimes geraten. Obwohl er zwar kritisch gegenüber Assad sei, wäre er aber weder Mitglied einer Rebellengruppe noch einer Partei, so Al-Mufti.

"Müssen unsere eigene Zukunft schaffen"

Regelmäßig publiziert er Animationsfilme, in welchen er den syrischen Präsidenten parodiert. Die Comic-Auftritte werden mittlerweile von zahlreichen Fans betrachtet. Über den Status Quo zeigt der Medienmacher sich allerdings besorgt: "Es ist enttäuschend zu sehen, was in dieser Flüchtlingskrise passiert. Es heißt Leben oder Tod – wir müssen unsere eigene Zukunft schaffen."

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Spiele zur Krise

Während "Refugee Mario" nur in Videoform existiert, gibt es allerdings auch tatsächlich Spiele, die es erleichtern sollen, sich in die Situation von Vertriebenen zu versetzen. So bietet der Guardian mit der "Refugee Challenge" ein mit zahlreichen Zahlen und Fakten angereichters Multiple-Choice-Abenteuer. Nach einem ähnlichen Konzept widmet sich auch die "Syrian Journey" der BBC der aktuellen Krise.

In Form eines als "Versteckspiel" angelegten Online-Multiplayer-Games auf Basis der "Half-Life 2"-Engine demonstriert wiederum "Frontiers" die Gefahren auf dem Weg in die "Festung Europa". Entwickelt hat den Titel das österreichische Künstlerkollektiv Gold Extra. (gpi, 19.09.2015)

  • Artikelbild
    foto: refugee mario
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