In der strengen Kammer der Landfrauen

18. September 2015, 09:00
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Das Performancekollektiv der Rabtaldirndln bringt "Luise 37" zur Uraufführung

Hart/Graz – Viereckige Dirndlkleider, schmutzabweisende Perlonschürzen oder splitternackt im Wannenbad. All das haben die Rabtaldirndln auf der Bühne schon hinter sich. Das seit 2003 bestehende Performancekollektiv aus der Steiermark wechselt in seiner allerneuesten Produktion Luise 37 jetzt zu den Fußballdressen über. Viel Zeit ist verstrichen seit den ersten Erörterungen des Landlebens, man wurde älter, kurzzeitig milder, hat Marmelade eingekocht, Kinder bekommen, sich niedergelassen. In der Eigenheimhölle im Speckgürtel der Stadt (Graz).

In Luise 37 schießt das Unbehagen über das ins Stocken geratene eigene (weibliche) Leben in die Wadeln. Mit Schienbeinschützer und eng geschnürten Fußballschuhen (die hoffentlich nicht jene auf dem Foto sind) richtet sich das Quartett (eine fehlt diesmal) gegen die Zumutungen, die der Jungfamilientraum im Nachhinein offenbarte. Er pendelt in die Stadt, sie arbeitet halbtags und managt den Freizeitbedarf der Kinder (Fußballtraining).

Das Leben in klassischen Rollenaufteilungen (Mann: Held am Arbeitsplatz, Frau: Heldin am Herd) ist eben weitgehend noch intakt. Die Schürzen abzulegen und die Topflappen fallen zu lassen, das ist Sache der Frauen aus dem (fiktiven) Rabtal. Barbara Carli, Rosi Degen, Bea Dermond und Gudrun Maier sind kraftmeierische Weibsbilder, die man, würde es sie nicht schon geben, für die heimische Performanceszene dringend erfinden müsste.

Die rustikal-feministischen Produktionen, bei denen altmodische Analogtechniken wie Overhead- oder Diaprojektoren neu belebt werden, machen auch im deutschsprachigen Ausland Furore und wurden vielfach ausgezeichnet, sie waren u. a. für das Freischwimmerfestival in Berlin nominiert und erhielten zuletzt 2014 – für Einkochen – den "Best of Styria"-Preis.

Ob auch bei Luise 37 Schnaps ans Publikum ausgeschenkt wird – ein einnehmender Brauch der Gruppe -, ist nicht verbrieft. (Margarete Affenzeller, Spezial, 18.9.2015)

Luise 37, Kulturhalle Hart bei Graz, 2., 3., 9. & 10. 10., jeweils 19.30


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  • Die Rabtaldirndln als Ballesterinnen, die ihr Spielfeld gnadenlos beackern: das vermeintlich idyllische Leben am Land.
    foto: steirischer herbst

    Die Rabtaldirndln als Ballesterinnen, die ihr Spielfeld gnadenlos beackern: das vermeintlich idyllische Leben am Land.

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