Wale stellen US-Marine ruhig

17. September 2015, 12:13
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In sensiblen Gebieten im Pazifik wird bald auf Militärsonare und explosive Munition verzichtet

Wädenswil/Hawaii – Die US-Marine verzichtet auf den Einsatz aktiver Sonarsysteme und explosiver Munition bei Manövern in einigen für Meeressäuger wichtigen Gebieten im Pazifik vor Kalifornien und Hawaii. Das ist die Folge einer Klage von Naturschutzorganisationen, darunter die Oceancare-Partnerorganisation Natural Resources Defense Council, gegen militärische Aktivitäten in diesen Zonen. Es kam zu einer außergerichtlichen Einigung.

Oceancare begrüßt diese Entwicklung als Meilenstein, heißt es in einer ersten Reaktion. Unterwasserlärm gefährde das marine Leben. Als weiterer Schritt zum Schutz der Unterwasserlebewesen, werden nun auch die Nato und andere militärische Streitkräfte aufgefordert, diesem Beispiel zu folgen.

Zeitrahmen von drei Jahren

Gemäß der Vereinbarung muss die US-Marine in den kommenden drei Jahren auf die Nutzung in folgenden Gebieten verzichten: Rund um die hawaiianischen Inseln Big Island, Maui und Molokai und vor Kalifornien. Vorgesehen ist auch die Bereitstellung von Mitteln für die Erforschung der Tiere und die Untersuchung gestrandeter Meeressäuger zur Ursachenerkennung.

Kritik an Nato

Bei einigen Walarten führt der enorme Lärm von Sonarsysteme im mittel- und niederfrequenten Bereich zu körperlichen Schäden bis hin zum Tod. "Wir begrüßen den Entscheid. Er zeigt, wie ernst die Gefahr durch Unterwasserlärm ist", sagt Oceancare-Präsidentin Sigrid Lüber.

Allerdings vermisst Lüber ähnliche Maßnahmen der Nato und anderen Militärs, "die weiterhin unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit Naturschutzmaßnahmen aussetzen". In europäischen Gewässern, insbesondere im Mittelmeer, kommt es regelmäßig zu Walstrandungen, die zeitlich und örtlich mit militärischen Manövern korrelieren. Der Appell zahlreicher Wissenschafter, strikte Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Walpopulationen zu treffen, wurde von der Nato und anderen Streitkräften bislang jedoch ignoriert.

"Was helfen den Walen der Eintrag in die Rote Liste gefährdeter Arten oder Lippenbekenntnisse zu Schutzmaßnahmen, wenn Militärs gefährdete Meeressäuger aus ihren Lebensräumen herausdröhnen", kritisiert Nicolas Entrup von Oceancare und NRDC. Bedenklich ist Entrups Meinung nach auch, dass die EU-Meeresrahmenrichtlinie, die Unterwasserlärm als ernste Gefahr für Meerestiere erkennt und nationale Aktionspläne zur Lärmreduktion einfordert, militärische Aktivitäten von den Maßnahmen ausschließt. (july, 17.9.2015)

  • Es kommt häufig zu Walstrandungen, die zeitlich und örtlich mit militärischen Manövern korrelieren, so OceanCare.
    foto: apa/new zealand doc/matt nalder

    Es kommt häufig zu Walstrandungen, die zeitlich und örtlich mit militärischen Manövern korrelieren, so OceanCare.

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