Hochspannung: US-Notenbank berät Ausstieg aus Nullzins-Ära

17. September 2015, 07:20
20 Postings

Kommt nach Jahren die Zinswende in den USA? Einiges spricht dafür, dass sie noch einmal verschoben wird

Washington – Mit großer Spannung erwarten vor allem die Finanzmärkte den Zinsentscheid der US-Notenbank Fed am Donnerstag. Beobachter sind uneins, ob die Währungshüter den Ausstieg aus der Nullzins-Ära bereits jetzt wagen oder noch hinauszögern. Die meisten gehen grundsätzlich von einem Zinswendchen aus. Mehr als 0,5 Prozent erwarten viele Experten nicht, manche sehen überhaupt nur einen Spielraum von 0,25 Prozent. Ein echter Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik wäre das ohnehin nicht.

Trotz guter Konjunkturlage sprechen die Folgen des Börsenbebens in China und die Sorgen um die Weltwirtschaft nach Ansicht der meisten Ökonomen derzeit gegen eine Erhöhung. Andere hegen auch Zweifel, dass die US-Wirtschaft so robust ist, wie es manche Daten, etwa die Arbeitslosenrate, suggerieren.

Eine Zinsanhebung wäre ein historischer Schritt. Während der Finanz- und Wirtschaftskrise seit 2008 hatte die Fed die Zinsen auf fast null gesenkt. Damit wollte sie die US-Wirtschaft aus der Krise heben. Denn wenn Privatleute und Unternehmer zu sehr niedrigen Zinsen Kredite bekommen, können sie mehr Geld ausgeben und mehr Geschäfte machen. Die Zinssenkung war also eigentlich eine Notmaßnahme. Sie existiert aber bis heute.

Betrifft nicht nur die USA

Was die Fed macht, betrifft nicht nur Amerikaner: Die USA sind die größte Wirtschaftsnation. Und in einer globalisierten Welt hängt jeder von jedem ab. Was in den USA passiert, betrifft also alle.

Experten haben unterschiedliche Meinungen darüber, was die Fed machen sollte. Einige kritisieren, die Notenbank habe die Zinsen schon viel zu lange so niedrig gelassen. Es sei so, als habe man ein gebrochenes Bein eingegipst. Der Knochen ist schon geheilt, aber den Gips hat man einfach drangelassen.

Aber ist der Knochen wirklich schon geheilt? Andere Experten bezweifeln das. Sie haben Sorge um die Weltwirtschaft. Chinas Wirtschaft zum Beispiel wächst langsamer als erwartet. Wenn die Fed jetzt die Zinsen anhebt, meinen die Gegner der Zinserhöhung, ist das so, als würde man den Gips zu früh vom Bein nehmen: Der Knochen könnte wieder brechen.

Die Fed hält jedenfalls den Leitzins seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise Ende 2008 in einer Spanne zwischen null und 0,25 Prozent. Sie hat mit dem billigen Zentralbankgeld die Konjunktur angekurbelt und die Börsen auf immer neue Rekordstände katapultiert. Die Währungshüter wollen jedoch Übertreibungen an den Märkten sowie eine Überhitzung der Wirtschaft verhindern. Sie haben daher eine geldpolitische Straffung noch 2015 in Aussicht gestellt. Viele Beobachter rechnen damit, dass Fed-Chefin Janet Yellen die Zinswende erst zum Jahresende vollziehen wird. (Reuters, rebu, 17.9.2015)

Share if you care.