Alle gegen Trump, Trump gegen alle

Video17. September 2015, 07:02
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Parolen statt Inhalte: Erneut trafen die Bewerber um die US-Präsidentschaftskandidatur aufeinander, die Interventionisten gewinnen die Oberhand

Am Tag vor der Debatte hatte er noch die grauen Kanonen eines Kriegsschiffs als Redekulisse gewählt. Auf der USS Iowa gab Donald Trump, ein Immobilienkönig, der einst die Wehrpflicht des Vietnamkrieges mit Glück und Attesten umgangen hatte, den Commander in Chief. Er gab, wie nun schon seit drei Monaten, den starken Mann, der verzagten, inkompetenten Politikern schon zeigen würde, was man tun müsse, damit der Rest der Welt Amerika angemessenen Respekt entgegenbringt.

Auf der Bühne dann, in der kalifornischen Präsidentenbibliothek von Ronald Reagan, war es Trump, der Antipolitiker, führend in den Meinungsumfragen, der von den anderen ins kollektive Kreuzfeuer genommen wurde.

"Ich denke, Herr Trump ist ein wunderbarer Entertainer. Er ist wirklich großartig in diesem Beruf", witzelte Carly Fiorina, die frühere Chefin des Hightech-Konzerns Hewlett-Packard (HP). Sie war als einzige Frau unter den republikanischen Bewerbern als krasse Außenseiterin gestartet, ist aber jetzt der Shootingstar.

Lehrling im Weißen Haus

"Wir brauchen keinen Lehrling im Weißen Haus, wir haben dort schon einen", stichelte Scott Walker, der Gouverneur Wisconsins, in Anspielung auf Trumps Reality-Show The Apprentice.

Jeb Bush, der nicht recht in Fahrt kommende Spross einer Politikerdynastie, forderte in robustem Ton eine förmliche Entschuldigung, nachdem der Baulöwe Bushs vergleichsweise moderate Ansichten beim Thema Einwanderung mit den Worten attackiert hatte, der Mann verhalte sich nur so, weil er mit einer Mexikanerin verheiratet sei. Seine Gattin Columba sitze im Saal, "warum bitten Sie sie nicht hier und jetzt um Verzeihung?"

Revanche für Macho-Spruch

Und dann revanchierte sich Fiorina dafür, dass Trump, dokumentiert vom Magazin Rolling Stone, mit typischem Machogehabe über ihr Aussehen gelästert hatte ("Schaut euch bloß dieses Gesicht an!"). Die Frauen dieses Landes hätten sehr wohl gehört, was Herr Trump zu sa- gen hatte, stutzte sie ihn eiskalt zurecht, als er sich auf Missverständnisse herauszureden versuchte.

Im Übrigen könne man einem Mann, der im Laufe seiner Geschäftskarriere viermal Bankrott angemeldet habe, nicht guten Gewissens die Finanzen der Vereinigten Staaten anvertrauen, legte Fiorina nach – was Trump mit der Bemerkung konterte, die Dame habe HP in ihren fünf Jahren an der Spitze so katastrophal gemanagt, dass sie den Konzern praktisch zerstörte. Würde er jetzt zu Hause sitzen, würde er wahrscheinlich abschalten, kommentierte John Kasich, der Gouverneur Ohios, darum bemüht, die Rolle des Erwachsenen im Kinderzimmer einzunehmen.

Träumer und Versager

Alle gegen Trump, Trump gegen alle – und dabei so gut wie keine Substanz. Dass die Republikaner Barack Obama für einen außenpolitischen Träumer und Versager halten, ist nicht neu. Was sie, etwa mit Blick auf Syrien, anders machen würden, blieb hinter markigen Sprüchen verborgen, hinter Parolen, die amerikanische Führungsstärke anmahnen und den vermeintlichen Verlust amerikanischer Militärmacht bedauern. Bodentruppen in den Kampf gegen die IS-Milizen beordern? Und wenn ja, wie viele? Nichts, keine konkreten Antworten.

Im Streit um den Atomdeal mit dem Iran waren allerdings Nuancen nicht zu überhören: Die Geister scheiden sich an der Frage, ob man das Abkommen nur kritisieren oder doch annullieren solle. Der texanische Senator Ted Cruz, der härteste Hardliner, würde es unverzüglich "in Stücke reißen". Kasich dagegen warnte davor, "ohne unsere Freunde in Europa" einen Alleingang zu riskieren. Einfach ein Papier zu zerreißen sei noch keine Strategie, pflichtete ihm Bush bei.

Und Trump? Der hätte schlauer mit den Iranern verhandelt als Obamas Außenminister John Kerry. Ein derart schlechtes Geschäft, tönte er, habe er noch nie gesehen. (Frank Herrmann, 17.9.2015)

  • Donald Trump war erneut kämpferisch auf dem Podium.
    foto: reuters/lucy nicholson

    Donald Trump war erneut kämpferisch auf dem Podium.

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