Viele Gemeinden bei Flüchtlingsquartieren weiter säumig

16. September 2015, 17:22
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Graz und Wien Hauptstadt-Schlusslichter – Auch Speckgürtel-Gemeinden nicht vorbildlich – Wenig Unterbringung in Tourismus-Zentren

Wien – Mit Oktober tritt das Durchgriffsrecht des Bundes in Sachen Flüchtlingsquartiere in Kraft. Ab da soll es möglich sein, in Gemeinden Asylsuchende im Ausmaß von bis zu 1,5 Prozent der Bevölkerung unterzubringen. Derzeit ist man von diesem Wert fast überall weit entfernt. So schafft mit Eisenstadt eine einzige Landeshauptstadt die 1,5 Prozent, zeigt eine vom ORF erstellte Gemeinde-Grafik.

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Erstaunlich ist, dass gerade das oft als Musterstadt geschilderte Wien sogar mit am Schluss des Hauptstädte-Rankings steht. Nur Graz hat mit einem Anteil von 0,58 Prozent einen noch schlechteren Wert als die Bundeshauptstadt (0,59). Am besseren Ende der Skala befinden sich Eisenstadt (1,51), St. Pölten (1,4) und Innsbruck (1,14).

Dementi aus Wien

Wiens Sozialstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) hat Mittwochmittag gegenüber der APA betont, dass Wien nicht nur Gemeinde, sondern auch Land sei und dabei als einziges Bundesland seit Jahren die geforderten Quoten erfülle. Zudem verwies sie auf die zahlreichen Notbetten, die gerade erst in den vergangenen Tagen geschaffen worden seien.

Darauf wies auch Peter Hacker, Wiens Flüchtlingskoordinator, bei einem Anruf in der APA hin. Seinen Angaben zufolge sind die vom ORF publizierten Zahlen durch den aktuellen Flüchtlingsstrom längst überholt. Zudem sei die Polizei gar nicht mehr imstande, in Wien alle Flüchtlinge zu registrieren.

Speckgürtel

Es sind aber nicht nur die Landeshauptstädte, die bei der Unterbringung von Flüchtlingen noch Luft nach oben haben sollten. Auch Umland-Gemeinden Wiens zeichnen sich nicht unbedingt aus. Einige Beispiele: Laxenburg beherbergt keinen einzigen Flüchtling, ebenso wenig Großenzersdorf oder Deutsch-Wagram, Altlengbach einen, Pressbaum drei, Neulengbach vier, Guntramsdorf fünf. Letztere Gemeinde liegt unmittelbar neben Traiskirchen, das über die örtliche Bundesbetreuungsstelle knapp 3.300 Flüchtlinge, was 17,9 Prozent der Bevölkerung entspricht, unterbringt.

Tourismus-Zentren

Freilich gibt es nicht nur in den Speckgürteln der Landeshauptstädte wenig Interesse, Flüchtlinge in der Nachbarschaft zu haben. In den meisten Tourismus-Zentren finden auch nur die wenigsten Asyl. So sind in Kaprun und Zell/See betuchte Touristen aus dem arabischen Raum in großer Zahl hoch willkommen, in ersterer Gemeinde haben dafür bloß drei Asylsuchende (0,1 Prozent) Platz, in zweiterer immerhin 30 (0,31 Prozent). Null Asylwerber verzeichnen etwa Saalbach/Hinterglemm, St. Anton/Arlberg, St. Wolfgang oder Rauris.

Dass es in Tourismus-Regionen auch anders geht, zeigt beispielsweise Schruns in Vorarlberg mit einem Flüchtlingsanteil von 2,69 Prozent. Gut schneiden auch das benachbarte Tschagguns (1,33 Prozent) sowie Ampflwang in Oberösterreich (1,91 Prozent) ab.

Ein neues Erlebnis dürften zuletzt die Bewohner von Heiligenkreuz im Lafnitztal gehabt haben, als in den vergangenen Tagen hunderte Flüchtlinge über die Grenze aus Ungarn kamen. Denn diese Gemeinde beherbergt im Normalfall keinen einzigen Asylwerber. Der allergrößte Hotspot Nickelsdorf bringt dagegen auch ohne akuten Flüchtlingsstrom Asylwerber unter, zuletzt 23 bzw. 1,36 Prozent. (APA, red, 16.9.2015)

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