Bienen und Hummeln könnten künftig als "Flying Doctors" arbeiten

20. September 2015, 16:56
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Forscher setzen die Bestäuberinsekten ein, um Blüten gegen Krankheitserreger zu "impfen"

Celle – Wenn es nach einem internationalen Forscherteam geht, könnten Bienen und Hummeln in Zukunft nicht nur entscheidend zur Bestäubung wertvoller landwirtschaftlicher Kulturen wie Äpfel oder Beeren beitragen, sondern sich auch gleichsam als "Flying Doctors" betätigen. Die Experten haben ein System entwickelt, bei dem die Insekten mit unschädlichen Pilzsporen versehen werden, die sie beim Nektarsammeln auf die Blüten – beispielsweise von Bio-Erdbeeren – abgeben. Das verhindert die Infektion der Blüten mit anderen Krankheitserregern.

Das Prinzip klingt denkbar einfach: Die Insekten nehmen beim Verlassen des Stocks in einer speziell angelegten Passage die harmlosen Pilzsporen auf und tragen diese beim Nektarsammeln in zahllose Blüte. Der für die Pflanze unschädliche Pilz verhindert, dass andere, schädliche Krankheitserreger die Blüte infizieren und sich ausbreiten. Die Umsetzung gestaltete sich allerdings weit weniger simpel.

Honigbienen, Mauerbienen und Hummeln

Drei Jahre haben Wissenschafter aus Finnland, Estland, Belgien, Slowenien, Italien, der Türkei und Deutschland daran geforscht. Während die Finnen das Projekt koordinierten, arbeiteten belgische Experten an der Trägersubstanz aus Maismehl, um die Aufnahme der Pilzsporen zu verbessern. Da in Italien neben Honigbienen insbesondere Mauerbienen zur Bestäubung eingesetzt werden, baute das Team italienischer Wissenschafter eine Passagen-Konstruktion für deren spezielle Nester.

In Slowenien beschäftigten sich die Forscher mit der Frage, wie sich Honigbienen in der Passage verhalten und wie sich die Pulververteilung in der Fläche nachweisen lässt. In Estland wurde mit Hummeln geforscht, in Freilandversuchen konnten die positiven Effekte in der Praxis festgehalten werden. Gleiches gilt für die Türkei, die statt Hummeln Honigbienen einsetzte.

Kleinere Völker, größere Erfolge

Wissenschafter des Institut für Bienenkunde im niedersächsischen Celle arbeiteten schließlich mit Bio-Erdbeeren. Sie untersuchten, wie sich die Bestäubungsquote durch Bienen verbessern lässt und damit auch die Verbreitung der schützenden Pilzsporen gegen Grauschimmelbefall. Bei den Versuchen zeigte sich, dass die Größe der eingesetzten Völker ein wichtiger Faktor bei der gezielten Bestäubung landwirtschaftlicher Kulturen ist. So lag die Bestäubungsrate der Erdbeeren bei kleinen Bienenvölkern in zwei der drei Untersuchungsjahre signifikant höher als bei den üblichen, größeren Völkern.

"Das Konzept mit Bienen als 'Flying Doctors' funktioniert", bestätigt Projektleiter Otto Boecking. "Allerdings ist die Erhebung der Daten ausgesprochen schwierig. Für konkrete Praxis-Empfehlungen bedarf es weiterer Forschung." Das gelte auch für Aussagen zur optimalen Größe der Bienenvölker. (red, 20.9.2015)

  • Die geflügelten "Doktoren" könnten dafür sorgen, dass Blütenpflanzen gesund bleiben.
    foto: laves ib celle, dr. otto boecking

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