Arktische Mücken schwärmen für höhere Temperaturen

19. September 2015, 21:04
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Des einen Freud, des anderen Leid: Während Stechmücken von den steigenden Temperaturen in der Arktis profitieren, leiden Karibus massiv unter den ungewohnten Massen der Blutsauger.

Hanover – Wärmere Temperaturen verhelfen Mücken zu einer rascheren Entwicklung. Geht dies mit der erfolgreichen Vermeidung von Fressfeinden einher, kann das zu einem explosionsartigen Anstieg der Population führen. Eine Studie des Dartmouth College in New Hampshire untersuchte nun anhand verschiedener Szenarien, wie sich der Temperaturanstieg und das entsprechend veränderte Räuber-Beute-Verhältnis auf die Entwicklung und Überlebensrate der Stechmücken in West-Grönland auswirken.

Durch die Frühlings-Schneeschmelze bilden sich flache Tümpel in der arktischen Tundra, in denen sich die Stechmücken und auch ihre Fressfeinde, die Schwimmkäfer, entwickeln. Wachsen die Larven der Mücken rascher, kann ein größerer Prozentsatz den Käfern entkommen und das Erwachsenenalter erreichen. Die jüngst im Fachblatt "Proceedings of the Royal Scociety B" publizierten Ergebnisse zeigen, dass sich die Überlebensrate der Mücken bei einer Erwärmung um zwei Grad bereits um über 50 Prozent erhöhen würde.

Karibus als unfreiwillige Blutspender

Die Fortpflanzung der Mücken hängt vom Erfolg der Weibchen beim Auffinden einer Blutmahlzeit ab. Und diese Erfolgsrate soll sich in Zukunft steigern, so die Wissenschafter, da der veränderte Lebenszyklus der Mücken nun stärker mit der Kalbezeit der Karibus synchronisiert. Aufgrund der neugeborenen Kälber steht den Mücken in dieser Zeit eine größere und unbeweglichere Herde als Nahrung zur Verfügung.

"Die größere Mückendichte, in Verbindung mit anderen Schädlingen, die ihren Lebensraum weiter nach Norden ausgedehnt haben, wird starke Auswirkungen auf die Gesundheit und die Fortpflanzungsraten von Karibus nehmen", so die Erstautorin der Studie Lauren Culler. Die lokale Bevölkerung, deren Existenz zu einem großen Teil von den Hirschen abhängt, werde nun in punkto nachhaltigem Management vor völlig neue Herausforderungen gestellt. (rede, 19.09.2015)

  • Die Wissenschafterin Lauren Culler erforscht Stechmücken, die sich in den flachen Schmelzwassertümpeln der arktischen Tundra entwickeln.
    foto: lauren culler

    Die Wissenschafterin Lauren Culler erforscht Stechmücken, die sich in den flachen Schmelzwassertümpeln der arktischen Tundra entwickeln.

  • Der veränderte Lebenszyklus arktischer Stechmücken wird sich einer neuen Studie des Dartmouth Colleges zufolge auf Mensch und Tier auswirken.
    foto: lauren culler

    Der veränderte Lebenszyklus arktischer Stechmücken wird sich einer neuen Studie des Dartmouth Colleges zufolge auf Mensch und Tier auswirken.

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