Unesco: IS plündert "in industriellem Maßstab"

16. September 2015, 15:29
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Der Verkauf von Kulturgütern an ausländische Interessenten ist eine Finanzierungsquelle der Islamisten

Damaskus/Paris – Raubgrabungen und Massenplünderungen der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) in den Kulturstätten Syriens nehmen nach Ansicht der Unesco "einen industriellen Maßstab an". Satellitenbilder historischer Stätten würden "tausende Löcher" zeigen, sagte die Chefin der Kulturorganisation der Vereinten Nationen, Irina Bokowa, am Mittwoch.

IS-Milizen haben in den vergangenen Monaten zahlreiche Tempelanlagen wie den berühmten Baaltempel von Palmyra zerstört und angekündigt, weitere Altertümer in Schutt und Asche zu legen. Der Verkauf von Kulturgütern an ausländische Interessenten gilt als eine Finanzierungsquelle der Islamisten. Aus Sicht Bokowas ist es Teil der IS-Strategie, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des einzigartigen Erbes zu zerstören.

USA lehnen russische Vorschläge ab

Der Vorschlag Russlands für eine umfassenden Allianz gegen den IS stößt in den USA auf Ablehnung. Moskau will den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad in dieses Bündnis einbinden. Das Weiße Haus wertete das am Dienstag als Destabilisierung der Region: Assad habe jede Legitimität verloren.

Kreml-Chef Wladimir Putin will seinen Vorschlag in der UN-Vollversammlung präsentieren. Russland baut Militärstützpunkte in dem von der syrischen Regierung gehaltenen Küstenstreifen Syriens aus. Die USA, die gemeinsam mit anderen Bündnispartnern selbst Luftangriffe in Syrien gegen den IS fliegen, sehen das sehr kritisch.

Deutschland gegen Bodentruppen

Deutschland und Frankreich sind gegen die Entsendung von Truppen nach Syrien. "Wenn man – was wir nicht wollen – theoretisch mit Bodentruppen reingehen würde, man würde immer die Falschen treffen", sagte die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Mittwoch im ZDF-"Morgenmagazin". Sie plädierte für eine diplomatische Lösung.

Die Mehrheit der Deutschen unterstützt laut einer Yougov-Umfrage die Luftangriffe anderer Staaten auf den IS im Irak und in Syrien. 61 Prozent fanden das gut, nur 24 Prozent waren dagegen. Eine Zusammenarbeit mit Assad lehnten 51 Prozent der Befragten ab, nur 20 Prozent wären dafür.

Saudi-Arabien: Assad-Rückzug "nur eine Frage der Zeit"

Nach Ansicht des saudischen Außenministers Adel al-Jubeir ist der Rückzug Assads nur noch "eine Frage der Zeit". "Wenn Assad keine politische Lösung akzeptiert, wird er durch eine militärische Lösung ausgeschlossen", sagte Jubeir in der Nacht auf Mittwoch. Saudi-Arabien unterstützt in Syrien radikalislamische Rebellen.

Der frühere finnische Präsident Martti Ahtisaari bedauerte im Rückblick, dass der Westen 2012 einen russischen Plan ignoriert habe, nach dem Assad nach Friedensgesprächen mit der Opposition die Macht abgeben sollte. Die USA, Frankreich und Großbritannien seien so überzeugt vom schnellen Sturz Assads gewesen, dass sie auf den Vorschlag nicht reagiert hätten, sagte der Friedensnobelpreisträger von 2008 dem "Guardian" vom Dienstag. Im syrischen Bürgerkrieg sind seit 2011 etwa 250.000 Menschen getötet worden.

US-Geheimdienstberichte über IS manipuliert

Unterdessen haben Geheimdienstanalytiker führenden US-Militärs beim US-Kommando Centcom vorgeworfen, bei einem Bericht zur Einschätzung der Gefahr durch den IS im Irak und in Syrien Ergebnisse manipuliert zu haben. Das berichtete die "New York Times" am Mittwoch unter Berufung auf Regierungskreise. Angeblich sollen die Ergebnisse "komplett auf den Kopf gestellt worden sein", sagte ein Regierungsvertreter, der nicht namentlich genannt werden wollte. (APA, 16.9.2015)

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