Hoher Östrogenspiegel macht asozial

16. September 2015, 15:14
70 Postings

Kurz nach dem Eisprung sind Frauen weniger kooperativ, haben Psychologen herausgefunden. Ein Grund dafür dürfte im Hormonspiegel liegen

Frankfurt – Hormonschwankungen tragen dazu bei, dass sich das soziale Verhalten einer Frau über den Menstruationszyklus hinweg ändert. Mitunter äußert sich das in Stimmungsschwankungen und Reizbarkeit vor der Regelblutung.

Jetzt haben Psychologen der Goethe-Universität herausgefunden, dass auch die Bereitschaft, eigene Ressourcen mit Fremden zu teilen mit dem Hormonspiegel schwankt. Während und kurz nach der Menstruation sind Frauen eher bereit zur Kooperation – so das Ergebnis zweier Internet-Studien, an denen mehr als 400 deutsche und US-amerikanische Frauen teilnahmen.

Voraussetzung für die Studienteilnahme war, dass die Probandinnen einen natürlichen Menstruationszyklus hatten, also keine hormonellen Verhütungsmittel verwendeten, und nicht schwanger oder in den Wechseljahren waren.

Geld mit Fremden teilen

Die Forscher untersuchten die Kooperationsbereitschaft der Frauen in der Zeit während und kurz nach der Menstruation (frühe Follikularphase), wenn die Konzentration der Hormone Östrogen und Progesteron niedrig ist. Außerdem wurde die Kooperationsbereitschaft kurz vor und einige Tage nach dem Eisprung (mittlere Lutealphase) ermittelt – also zu einem Zeitpunkt, wo die Östrogen- und Progesteronspiegel besonders hoch sind.

Die individuelle Kooperationsbereitschaft der Probandinnen bestimmten die Psychologen über die psychologischen Skala, der "sozialen Wertorientierung". Dazu baten sie die Frauen, fiktiv Geld zwischen sich selbst und einer anderen, ihnen völlig unbekannten Person aufzuteilen.

"Durch eine Vielzahl an Studien ist belegt, dass Menschen, die bei diesem Test eine hohe Bereitschaft zum Teilen zeigen, auch im echten Leben häufiger und mehr Geld für einen guten Zweck spenden, öfter mit der Bahn statt mit dem Auto zur Arbeit fahren und in Verhandlungen kompromissbereiter sind als Menschen mit einer weniger stark ausgeprägten prosozialen Wertorientierung", erklärt Christine Anderl, Erstautorin der Studie.

Teilungsbereitschaft ist vom Zyklus abhängig

In beiden Studien zeigte sich aber, dass Frauen während der Menstruation und kurz danach eher bereit waren, ihre eigenen Ressourcen mit einer fremden Person zu teilen, als einige Tage nach dem Eisprung. Je höher der zyklusabhängige Spiegel des "weiblichen" Geschlechtshormons Östrogen war, desto geringer fiel, statistisch gesehen, die Teilungsbereitschaft der Frauen aus.

"Wir sind zwar stark davon überzeugt, dass es sich bei der Schwankung der Teilungsbereitschaft über den Zyklus um einen echten und systematischen Effekt handelt – ob er wirklich allein von Östrogen verursacht wird, wie wir auf Basis der Daten vermuten, müssen wir noch prüfen", ergänzt Christine Anderl.

"Die Ergebnisse passen zu früheren Befunden anderer Forschergruppen, die zeigen konnten, dass auch Hormone wie Oxytocin und das männliche Geschlechtshormon Testosteron die menschliche Kooperationsbereitschaft beeinflussen", sagt Sabine Windmann vom Institut für Allgemeine Psychologie der Goethe-Universität. (red, 16.9.2015)

  • Zwei Studien kommen zu einem Ergebnis: Je höher der zyklusabhängige Spiegel des "weiblichen" Geschlechtshormons Östrogen war, desto geringer fiel die Teilungsbereitschaft der Frauen aus – zumindest statistisch gesehen.
    foto: dpa/stefan sauer

    Zwei Studien kommen zu einem Ergebnis: Je höher der zyklusabhängige Spiegel des "weiblichen" Geschlechtshormons Östrogen war, desto geringer fiel die Teilungsbereitschaft der Frauen aus – zumindest statistisch gesehen.

Share if you care.