Prozess um Handyraub hinter Gittern

16. September 2015, 14:00
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Fünf Angeklagte sollen in der Haft Mithäftlingen Handys geraubt haben. Belastet werden sie durch ein Video, das sie dabei aufgenommen haben

Wien – Der Sinn der Spezialprävention darf bei den fünf Angeklagten, die vor einem Schöffensenat unter Vorsitz von Beate Matschnig auftreten, bezweifelt werden. Sabur A., Alp A., Sultan T., Josip A. und Ruslan T. sind zwischen 20 und 28 Jahre alt – und haben drei bis zehn Vorstrafen.

Nun sind sie hier, da sie im September 2014 in der Justizanstalt Simmering zwei Mithäftlingen zwei Handys geraubt haben. Das Verfahren zeigt auch, dass es hinter Gittern offenbar mehr Mobiltelefone als in einem mittelgroßen Handyshop gibt.

Der Erstangeklagte beispielsweise soll gleich vier Stück besessen haben. Der Staatsanwalt will wissen, warum. "Wenn russische oder kaukasische Leute kommen, gebe ich sie ihnen." – "Sie verkaufen sie also?" – "Nein, ich verschenke sie."

Streit um USB-Stick

A. soll auch Bestellungen entgegengenommen haben, behauptet die Anklage. Zwei davon seien von anderen Häftlingen gebunkert worden. Aber begonnen hat die Geschichte eigentlich mit einem USB-Stick.

Den wollte sich der Erstangeklagte ausborgen. In der anderen Zelle beschied Gheorge R. ihm allerdings, dass er ihn verborgt habe. Und das, obwohl ein Stick im Fernseher steckte. Was A. ziemlich erboste.

Ab 20 Uhr ist in Simmering kein Justizwachebeamter mehr im Stock, die Zellen sind offen. Also machten A. und seine Zellengenossen um 23.30 Uhr einen kleinen Spaziergang in den anderen Haftraum.

Der Erst- und der Zweitangeklagte sollen die Handys der beiden Opfer gefordert haben, als sie sie nicht bekamen, setzte es einige Ohrfeigen, bis sie die Mobiltelefone in der Hand hatten.

Raub oder Strafaktion

Die Angeklagten und ihre Verteidiger sprechen eher von einer "Strafaktion" wegen des USB-Sticks oder wollen nur zufällig dabei gewesen sein und vorher nichts von einem Gewalteinsatz gewusst haben. "Ihr glaubt wirklich alle, wir sind deppert!", grollt Matschnig daher einmal.

Der Drittangeklagte hat das Geschehen mit seiner Handykamera gefilmt. Der Vierte sagt, er sei zwar dort gewesen, bedroht habe er aber niemanden, einen Besen habe er nur in die Hand genommen, da der zufällig dort gestanden sei, von den Ohrfeigen sei er überrascht worden.

"Warum gehen Sie dann nicht einfach oder drücken den Alarmknopf?", fragt die Vorsitzende. "Ich finde, Watschen sind nicht einmal leichte Körperverletzung", lautet die Antwort. Und überhaupt sei das Ganze für ihn mehr ein "Kasperltheater", eine "Zirkusshow" gewesen.

Dusko G., eines der Opfer, bleibt dabei, dass die beiden Handys ihm gehört haben. Der rund 1,85 Meter große, bullige Zweitangeklagte habe sich auch schon zuvor immer wieder Getränke, Essen und Zigaretten genommen, ohne zu fragen.

Zwei Handys zurückgebracht

Er sagt allerdings auch, dass zwei der Angeklagten später zurückgekommen seien und zwei Handys gebracht hätten. Eines der geraubten und ein anderes. Die Geräte wurden in einem Bunker verstaut, später bei einer Kontrolle aber entdeckt.

Das zweite Opfer will dagegen eigentlich gar nichts aussagen. "Ihr habt ja genug andere Zeugen", sagt er zu Matschnig. Die bohrt trotzdem nach: "Wer hatte das Sagen in dem Stockwerk?", will sie wissen. "Die Beamten", lautet die Antwort. "Außer den Beamten? Und die haben offenbar nicht viel zu sagen gehabt, sonst würde es dort nicht so viele Handys und Ruhestörungen geben", merkt die Vorsitzende an.

Der bockige Zeuge sagt auch, dass ihm durch die Ohrfeigen eigentlich nichts passiert sei und er gedacht habe, die Handys gehörten dem Erstangeklagten. Dass ihn selbst Justizwachebeamte nach dem Vorfall als verängstigt beschrieben haben, verwundert ihn.

Da zwei Zeugen nicht erschienen sind, muss Matschnig vertagen. (Michael Möseneder, 16.9.2015)

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