Causa Madoff: Neuer Verdacht gegen Bank Austria

16. September 2015, 13:17
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Wiener Staatsanwältin glaubt an Gebührenbetrug bei Fonds und stellte Rechtshilfeersuchen an New Yorker Ermittler

Wien – Im Fall des inhaftierten US-Milliardenbetrügers Bernard Madoff müssen sich die Bank Austria und die nicht mehr existente Bank Medici mit einem neuen Vorwurf der Justiz herumschlagen. Die Wiener Staatsanwältin Christina Ratz hegt laut "Kurier" nun auch den Verdacht des Gebührenbetrugs im Zusammenhang mit Fonds, in die geprellte Anleger investiert hatten. Die Banken werfen sämtliche Vorwürfe zurück.

Die Wiener Staatsanwaltschaft hat dem Zeitungsbericht (Mittwoch) zufolge ein Rechtshilfeersuchen an die New Yorker Staatsanwaltschaft gestellt: "Bank Austria und Bank Medici verrechneten auffallend hohe Gebühren, wobei bisher unklar ist, durch welche Gegenleistung die Höhe der Gebühren gedeckt sein sollte." Es bestehe der Verdacht, dass die Kunden über die Höhe der Gebühren getäuscht wurden, so die Ermittlerin.

Die Staatsanwältin ersuchte ihre US-Kollegen, Madoff und vier weitere Personen zur Verdachtslage zu befragen. Zudem hat sie die Bank Austria kürzlich aufgefordert, bis Ende September diverse Unterlagen über den "Primeo Select Fonds", eine Karibiktochter und Madoffs Firma BLMIS "ungeschwärzt" vorzulegen.

Schneeballsystem

Im 2008 aufgeflogenen Madoff'schen Schneeballsystem, in dem mehr als 50 Mrd. Euro an Anlegergeldern versickerten, gibt es eine starke Österreich-Achse. Unter den Betrugsopfern sind tausende Anleger, die mindestens 350 Mio. Euro in den von der Bank Austria gegründeten Primeo Select Fonds investiert hatten. Die Gelder sollen ohne entsprechende Kontrollen von Österreich über ausländische Depotbanken an Madoff geflossen sein. Die Bank Medici wiederum, an der die Bank Austria 25 Prozent hielt, hat in großem Stil Anlegergelder in den Madoffs "Herald Fonds" investiert. Madoff hat die Anlegergelder nicht wie vorgegeben in lukrative Wertpapiere investiert, sondern offene Löcher bei anderen Kunden gestopft. Im Juni 2009 wurde er zu 150 Jahren Haft verurteilt, wo er nun laut US-Medien Zellengenossen Anlagetipps gibt.

Die Bank Austria sieht sich selbst als Opfer von Madoff und "hat sich nichts vorzuwerfen", so das Geldhaus gegenüber dem "Kurier". Medici-Anwalt Clemens Trauttenberg findet es "befremdlich", dass die Staatsanwaltschaft Wien sechs Jahre brauche, um Madoff zu befragen. "Es ist auch unnötig, weil in den USA bereits alles untersucht wurde und nichts Rechtswidriges gefunden wurde." (APA, 16.9.2015)

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