Geheimdienstanalysten: US-Militär schönte Informationen über IS

16. September 2015, 11:45
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Ziel: ein positiveres Bild für das Weiße Haus zu liefern – Das Pentagon untersucht die Vorwürfe

Washington – Geheimdienstanalysten haben Ermittlern des US-Verteidigungsministeriums Dokumente vorgelegt, die beweisen sollen, dass Militärs Informationen über die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) manipuliert haben. Das berichtete die "New York Times" am Mittwoch. Das Verteidigungsministerium hat den Beginn einer Untersuchung bestätigt.

Die Ermittlungen des Pentagon konzentrieren sich auf hochrangige Geheimdienstler, unter deren Leitung dutzende zivile und militärische Analysten des United States Central Command (Centcom) arbeiten. Das Centcom ist als eines von sechs Regionalkommanden der US-Streitkräfte für den Nahen Osten, Ostafrika und Zentralasien zuständig. Nun wird eine Untersuchung den Wahrheitsgehalt der Vorwürfe prüfen.

Positives Bild für das Weiße Haus

Die Berichte der Analysten sollen geschönt worden sein, um dem Weißen Haus und dem US-Kongress ein positiveres Bild von US-Vorgehen gegen den IS präsentieren zu können.

Unterschiedliche Einschätzungen von Geheimdienstanalysten sind durchaus üblich und auch erwünscht, um der Regierung ein umfassendes Bild und auch Handlungsalternativen aufzuzeigen. Es ist aber verboten, in Berichte anderer einzugreifen oder sie umzuschreiben.

US-Kampf gegen "Islamischen Staat"

Im vergangenen Sommer hatte US-Präsident Barack Obama Luftschläge gegen den IS genehmigt, der mittlerweile große Teile Syriens und des Irak kontrolliert. Der Einsatz von Bodentruppen in Syrien wird bisher jedoch abgelehnt.

Im Irak sind rund 3.400 Soldaten der US-Armee stationiert. Sie sollen lokale Sicherheitskräfte beraten und deren Ausbildung unterstützen. Die USA zögern, die Zahl der Bodentruppen im Irak zu erhöhen, denn erst 2009 war der Abzug der Truppen beschlossen worden.

USA lehnen Bündnis mit Russland ab

Das russische Angebot eines Bündnisses gegen den IS lehnen die USA ab. Das Weiße Haus bezeichnete die russische Unterstützung des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad am Dienstag als kontraproduktiv und als eine Destabilisierung der Region.

Die USA reagierten damit auf Äußerungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dieser hatte die internationale Gemeinschaft aufgefordert, Assad in dessen Kampf gegen den IS zu unterstützen. US-Präsidentensprecher Josh Earnest sagte, die USA würden es begrüßen, wenn Russland stattdessen konstruktiver mit der US-geführten Anti-IS-Koalition zusammenarbeite.

Spekulationen über Treffen zwischen Putin und Obama

Trotz aller Differenzen zwischen Putin und Obama wird derzeit heftig über ein Treffen der beiden in den kommenden Wochen in New York spekuliert. Dort begann am Dienstag die 70. Tagung der UN-Generalversammlung, an der beide teilnehmen werden. (red, 16.9.2015)

  • Das US-Verteidigungsministerium untersucht, ob Geheimdienstberichte über den "Islamischen Staat" manipuliert wurden.
    foto: ap photo/charles dharapak, file

    Das US-Verteidigungsministerium untersucht, ob Geheimdienstberichte über den "Islamischen Staat" manipuliert wurden.

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