Multiple Sklerose: Diagnose beim Augenarzt

16. September 2015, 08:35
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Plötzlich schmerzt ein Auge, wenn es bewegt wird, wenige Tage später folgt eine Sehverschlechterung. Hinter solchen Beschwerden kann Multiple Sklerose stecken

Berlin – Multiple Sklerose (MS), eine Erkrankung von Gehirn und Rückenmark, beginnt häufig als Entzündung des Sehnervs, der das Auge mit dem Gehirn verbindet. "Wir bezeichnen diese Entzündung auch als Optikusneuritis", sagt Karl Ulrich Bartz-Schmidt, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Augenklinik Tübingen. Sie stört den neuronalen Datenfluss vom Auge zum Gehirn, die Folge ist eine charakteristische Sehstörung.

"Die Bilder werden dunkler, die Farben als verändert und blass empfunden", erläutert Klaus Rüther, Spezialist für neuroophthalmologische Erkrankungen in Berlin. "Die Betroffenen befürchten instinktiv, dass sich die Sehstörung nicht von allein bessert und besorgen sich einen Termin beim Augenarzt", ergänzt der Experte.

Der Ophthalmologe kann meist durch einen einfachen Pupillen-Test abklären, ob es sich tatsächlich um eine Optikusneuritis handelt. Im Dunkeln leuchtet der Arzt abwechselnd mit einer Lampe in eines der beiden Augen. Zeigt dieser Swinging-Flashlight-Test, dass die Pupille im schmerzhaften Auge langsamer reagiert, gibt es kaum noch Zweifel an der Diagnose. Denn der "relative afferente Pupillendefekt" hat die gleiche Ursache wie die Sehstörung: Das "Datenkabel" zum Gehirn ist beschädigt.

Sehnervenentzündung ist auch Fall für den Neurologen

"Ist der Sehnerv entzündet, zeigt sich dies in der Kernspintomographie häufig als Aufhellung", erläutert Rüther. Manchmal sind jedoch auch an anderer Stelle Hirngewebsveränderungen zu erkennen – besonders in diesem Fall besteht ein Verdacht auf MS. "Die Diagnose steht allerdings erst fest, wenn sich im Verlauf der Zeit weitere Entzündungsherde im Gehirn zeigen oder erste neurologische Symptome auftreten", so Rüther.

Diese Entwicklung zeigt sich innerhalb von fünfzehn Jahren bei der Hälfte aller Patienten mit Optikusneuritis. "Eine Sehnervenentzündung ist daher immer ein Grund, den Patienten auch an einen Neurologen zu überweisen", betont Rüther. Ärzte schätzen das Erkrankungsrisiko anhand der Kernspintomographie-Bilder ab. "Wenn bei dem Scan ein bis zwei Entzündungsherde auftreten, erkranken 65 Prozent der Betroffenen später an einer Multiplen Sklerose", erläutert der Berliner Augenspezialist.

Zeigt die erste Kernspintomografie keine Herde, beträgt die Wahrscheinlichkeit lediglich 27 Prozent. Die Behandlung der Optikusneuritis erfolgt in der Regel mit hochdosierten Kortison-Infusionen in die Armvene. Notwendig sei dies allerdings nicht, betont Rüther. "Die Patienten würden sich auch ohne Therapie in gleichem Maße von der Sehstörung erholen, das zeigen Studien." Kortison könne diesen Prozess jedoch beschleunigen und die Schmerzen bessern. (red, 16.9.2015)

  • Mit dem Pupillen-Test kann der Arzt abklären, ob es sich tatsächlich um eine Optikusneuritis handelt.
    foto: reuters/noor khamis

    Mit dem Pupillen-Test kann der Arzt abklären, ob es sich tatsächlich um eine Optikusneuritis handelt.

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