Des Truckers kleine Helferlein

16. September 2015, 09:00
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Bei einer Testfahrt lässt sich erleben, wie die neuesten Sicherheits- und Assistenzsysteme eines modernen Lkw arbeiten. Mit Kameras, Radar und GPS-Daten wird der Brummi zunehmend zum Hightecharbeitsplatz

Wien – Testfahrer Roland wirkt auch nach diesem anstrengenden Arbeitstag sehr entspannt. Er tourt gerade im Auftrag seines Arbeitgebers, des Lkw-Herstellers MAN, durch Österreich, um ausgewählten Fachjournalisten dessen neueste Errungenschaften in Sachen Sicherheitstechnologie und Assistenzsysteme in Echtzeit zu präsentieren. Mehrere hundert Kilometer hat er an diesem heißen Julitag bereits auf hiesigen Autobahnen heruntergespult.

Knallroter Kraftlackel

"Zum Glück haben wir eine Klimaanlage", bemerkt er gut gelaunt, während er sich hinter das Lenkrad schwingt. Kurz erklärt Roland die wichtigsten Funktionen – wie man den komfortablen, luftgefederten und belüfteten Sitz, das Lenkrad etc. auf die eigenen Bedürfnisse einstellt, bevor er das 560-PS-Aggregat des MAN TGX 18.560 anwirft und den 40-Tonner vom Parkplatz bei Guntramsdorf auf die A2 Richtung Süden lenkt und sich in den Verkehr einfädelt. Als Gast kann man die Fahrt in dem knallrot lackierten Kraftlackel im Beifahrersitz genießen.

Natürlich lässt sich MAN bei der Innenausstattung eines Präsentationsfahrzeuges nicht lumpen. Das XXL-Fahrerhaus ist so großzügig dimensioniert, dass hier auch hochgewachsene Chauffeure aufrecht stehen können. Zahlreiche Ablageflächen lassen den Truck zu einem fahrbaren Büro werden. Ein Kühlschrank ist mit an Bord, der auch als Jausentisch funktioniert. Das alles sind Goodies, die den Arbeitsplatz Lkw attraktiver machen (sollen).

Roland gibt Gas und lässt den Lastwagen leicht über die rechte Begrenzungslinie hinausgleiten. Sofort ertönt ein ratterndes Geräusch aus den Lautsprecherboxen: das Lane Guard System (LGS) meldet sich lautstark. "Es warnt mich, wenn ich ohne zu blinken die Fahrspur wechsle", erläutert Roland. "Ab einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern überwacht es mit einer Präzisionskamera die Position meines Lastwagens in Bezug auf die Fahrspur."

Auffällig ist, dass er kaum das Gaspedal bedient. Darauf angesprochen erklärt Roland: "Der Tempomat weiß dank GPS, wie die Straße verläuft, er kennt sozusagen das Gelände und reguliert danach die Geschwindigkeit." Das hilft beim Spritsparen – und beim Einhalten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit. Efficient Cruise nennt sich dieses Paket, dessen Teil der GPS-gestützte Tempomat ist, der auch bei Steigungen das Zurückschalten des Automatikgetriebes im Auge behält.

Der Lkw denkt mit

Der Abendverkehr vor Wiener Neustadt fließt zäh dahin. "Kannst du etwas hören?", fragt Roland. Kopfschütteln. "Der Motor ist automatisch in den Leerlauf gegangen", sagt er. "Jetzt kommt er langsam wieder." Idle Speed Driving nennt sich das: Es ermöglicht zum einen feinfühliges und exaktes Rangieren und zum anderen ein komfortables "Mitfließen" im Kolonnenverkehr, ohne dass der Fahrer den Fuß am Gaspedal haben muss. Der Fahrer kann zudem den Abstand zum vorausfahrenden Lastwagen einstellen. Radartechnologie hilft dabei.

Daten von Radarsensor und Kamera kombiniert das Notbremssystem Emergency Brake Assist (EBA), das seit Juli bei MAN verbaut wird. Es soll auch komplexe Verkehrsszenarien zuverlässig interpretieren können, also zum Beispiel erkennen, ob das Fahrzeug vor ihm scharf abbremst. Braucht's den Fahrer überhaupt noch? "Sicher", sagt Roland. "Denn der Fahrer kann in vielen Fällen eine Situation immer noch am besten einschätzen." (Markus Böhm, 16.9.2015)

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