Ruhige Lage an Burgenlands Ostgrenze: Grenzkontrolle in Nickelsdorf unterbrochen

16. September 2015, 10:22
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Einsatz soll fortgesetzt werden – Hauptbahnhof und Westbahnhof in Wien geräumt – Erster Bus an serbisch-kroatischer Grenze eingetroffen – Kroatien will Menschen bei Durchreise helfen

foto: pa/expa/michael gruber
Österreichs Grenze zu Ungarn wird seit Mittwochfrüh von der Polizei kontrolliert. Das Bundesheer assistiert den Hilfskräften.

Nickelsdorf/Wien – Die Grenzkontrolle im burgenländischen Nickelsdorf ist am Mittwoch bereits nach wenigen Stunden unterbrochen worden. Der Einsatz könnte aber im Laufe des Tages wieder fortgesetzt werden, erklärte die Polizei. Bereits zuvor hatte es geheißen, dass man flexibel auf die Situation reagieren werde.

Österreich hatte Mittwochfrüh wegen der Flüchtlingskrise mit Grenzkontrollen begonnen. Ab 7 Uhr kontrollierte die Polizei zunächst an den burgenländischen Grenzübergängen Nickelsdorf, Deutschkreutz und Schachendorf. Der Flüchtlingszustrom war schon in der Nacht deutlich abgeebbt, es gab rund 100 Aufgriffe. In Wien wurden Westbahnhof und Hauptbahnhof von tausenden Flüchtlingen geräumt.

"Trichter" auf Autobahn

Die Grenzkontrollen sollten durchgehend aufrecht bleiben. Nach und nach sollen auch die Grenzen in Kittsee, Pamhagen, Klingenbach, Rattersdorf, Heiligenkreuz und Bonisdorf kontrolliert werden, hieß es von der Polizei.

Möglich ist auch, dass die Maßnahme auf die Steiermark und Kärnten ausgeweitet wird. In Nickelsdorf hatte die Polizei einen "Trichter" auf der Autobahn aufgebaut, um den Verkehr zu verlangsamen. Dabei wurden selektiv Fahrzeuge angehalten und die Papiere der Insassen überprüft.

Die Nacht sei im Vergleich zu den vorangegangenen sehr ruhig verlaufen, sagte eine Sprecherin der Landespolizeidirektion Burgenland. Es seien nur knapp 100 Flüchtlinge an der Grenze zu Ungarn aufgegriffen worden, kein Flüchtling habe im Freien übernachten müssen. APA-Redakteure berichteten von einer äußerst ruhigen Lage an den Grenzübergängen Klingenbach und Heiligenkreuz.

Kroatien will bei Durchreise helfen

Kroatiens Polizei bestätigte Mittwochfrüh, dass erste Flüchtlinge die serbisch-kroatische Grenze überquert haben. Laut Augenzeugen versuchen sie in den Nachtstunden in Ostkroatien am Grenzübergang Tovarnik/Sid vorbei einzureisen, um der Registrierung auszuweichen. Die kroatische Polizei griff die Flüchtlinge in den umliegenden Maisfeldern auf. Bisher seien rund 150 Menschen eingetroffen, sagte Premier Zoran Milanović: "Sie werden Kroatien durchqueren können, und wir werden ihnen dabei helfen."

In Tovarnik trafen unterdessen ständig Polizeifahrzeuge mit neuen Flüchtlingen ein, berichteten lokale Medien. Es handle sich vorwiegend um Syrer und Afghanen, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Auch Rettungsdienste und das Rote Kreuz seien bereits im Einsatz.

"Positive Räumung" am West- und Hauptbahnhof

Entspannt hat sich die Lage auch am Westbahnhof und am Hauptbahnhof in Wien, wo am Dienstagabend noch mehr als 5.000 Flüchtlinge ausgeharrt hatten. Fast alle wurden in der Nacht weggebracht, nur noch jeweils 150 Personen befanden sich laut einem ÖBB-Sprecher Mittwochfrüh dort. "Es war eine positive Räumung. Der Großteil ist geordnet in Quartiere gebracht worden", sagte der Sprecher.

Die Flüchtlinge wurden unter anderem in das Ferry-Dusika-Stadion gebracht, sagte ein Sprecher des Wiener Flüchtlingskoordinators Peter Hacker. Insgesamt hätten 5.400 Flüchtlinge die Nacht in Wiener Quartieren verbracht. Es gebe aber noch einen Puffer, um weitere Flüchtlinge aufzunehmen. Derzeit habe man nämlich 8.000 Betten in Wien verfügbar, hieß es.

In Klagenfurt bereitete man sich unterdessen in einer Lagerhalle auf die Unterbringung von 1.200 Flüchtlingen vor, die in der Nacht mit einem Sonderzug aus Wien eintreffen sollten. In der Halle wurden innerhalb von Stunden Schlafstätten hergerichtet, zahlreiche Freiwillige meldeten sich beim Roten Kreuz, weil sie mithelfen wollten.

Deutsche Grenzkontrollen

Die deutsche Polizei stoppte am zweiten Tag der Grenzkontrollen rund 3.500 Flüchtlinge an der Grenze zu Österreich, nach 1.200 am Montag. 13 Schlepper seien festgenommen worden, teilte die Bundespolizei Rosenheim mit. Der Flüchtlingszustrom nach Deutschland verringerte sich deutlich, am Münchner Hauptbahnhof kamen am Dienstag etwa 1.400 Flüchtlinge an. Am Mittwoch waren es bis zum späten Vormittag etwa 700 Flüchtlinge, mehr Züge erwartet die Bundespolizei im Laufe des Tages.

Die Flüchtlinge wollen durch Kroatien, Slowenien und Österreich nach Deutschland reisen. Der kroatische Innenminister Ranko Ostojic hatte zuvor betont, dass sein Land für den Fall eines starken Zustroms von Flüchtlingen bereits Pläne vorbereitet habe. Ungarn hatte am Dienstag seine Grenze zu Serbien völlig dicht gemacht. Dennoch gelang es 70 Flüchtlingen, einen Asylantrag in Ungarn zu stellen. 40 Anträge wurden aufgrund der verschärften neuen Flüchtlingsgesetze sofort abgelehnt. Rund 100 Personen harrten die ganze Nacht vor dem geschlossenen serbisch-ungarischen Grenzübergang Horgos aus.

Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) bekräftigte unterdessen seine Forderung nach einer gemeinsamen europäischen Kraftanstrengung in der Flüchtlingskrise. Im ORF-"Report" am Dienstagabend rief er die EU-Staaten zum raschen Handeln auf und kritisierte jene, die sich "wegducken". Die EU werde "Milliarden" in die Hand nehmen müssen, um die Situation in Flüchtlingslagern zu verbessern. Im Ö1-Morgenjournal schloss der Kanzler nicht aus, dass eine Gruppe von EU-Staaten im Alleingang einen Verteilungsschlüssel für Flüchtlinge beschließen könnte. "Es ist möglich, dass man eine Koalition des guten Willens macht", sagte er mit Blick auf die ablehnende Haltung der mittelosteuropäischen EU-Staaten. (APA, 16.9.2015)

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