Neue Struktur soll Lufthansa-Konzern Aufwind bringen

15. September 2015, 19:03
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Die Lufthansa soll auf Wunsch ihres Konzernchefs schlanker werden. Vom Umbau, den der Aufsichtsrat am Mittwoch billigen soll, könnte die AUA profitieren – mit ihrem neuen Chef Kratky in einer Konzernfunktion

Frankfurt/Wien – Der Lufthansa-Konzern steht vor einer der größten organisatorischen Veränderungen der letzten Jahre: Carsten Spohr, seit Frühjahr 2014 Chef von Europas größter Fluggesellschaft, will das Unternehmen durch Umbau in der zweiten Führungsebene schlanker machen, Abläufe neu organisieren und so für mehr Aufwind sorgen. Beschließen soll all dies der Aufsichtsrat, der am Mittwoch in Frankfurt zusammenkommt.

Die Lufthansa-Tochter AUA könnte dabei aufgewertet werden. "Sie könnte eine Konzernfunktion übernehmen; im Zusammenhang mit dem neuen CEO Kay Kratky wird über das Thema Flugbetrieb spekuliert," sagte ein mit der Sache Vertrauter dem STANDARD. Aber auch der Produktbereich könnte aufgewertet werden, dort gilt die AUA mit ihren Nebendienstleistungen (Ancillary Services) als Vorreiter in der Gruppe.

Drei Säulen

Jedenfalls soll der Lufthansa-Konzern auf drei Säulen gesetzt werden. Die erste Säule nennt sich Hub Airlines. Gemeint sind die Drehkreuzverkehre der Marken Lufthansa, Swiss, AUA und Brussels. Zweite Säule ist Eurowings, die neue Billigplattform der Lufthansa für die Kurz- und Langstreckenverbindungen zu touristischen Zielen. Die dritte Säule bilden die Aviation Services. Dazu zählen unter anderem das Wartungsgeschäft (Lufthansa Technik) und das Catering (LSG Sky Chefs).

Die Neuaufstellung hat auch Konsequenzen für das Topmanagement: So soll es künftig keinen eigenen Vorstand Passage mehr geben, der bisher alle Aktivitäten rund um das Passagiergeschäft verantwortet. Die fünf Mitglieder des Vorstands Passage werden zum Teil neu verteilt.

Passage-Chef Karl Ulrich Garnadt und Personalchefin Bettina Volkens sind bereits parallel Mitglieder im Konzernvorstand – eine Funktion, die sie wohl behalten werden. Klaus Froese, der Kratky nach dessen Wechsel an die AUA-Spitze als Verantwortlicher für den Hub Frankfurt im Passage-Vorstand nachgefolgt ist, wird diese Funktion in der Sparte Hub Airlines ausüben.

Streit mit Piloten

"An der zentralen Führung des Unternehmens wird nicht gerüttelt. Die Verschiebungen betreffen die zweite Führungsebene. Die Verschlankung ist natürlich ein Signal, kommt aber nicht überraschend," sagte Jochen Rothenbacher von der Equinet Bank in Frankfurt dem STANDARD. Der Luftfahrtanalyst sieht den Einfluss der Entscheidung auf den Kurs der Lufthansa-Aktie "eher neutral".

Im Fokus stehe derzeit ohnehin die Auseinandersetzung zwischen der Lufthansa-Führung und der Pilotenvereinigung Cockpit. Dieser Konflikt hat in den vergangenen Monaten zu diversen Streiks geführt. Hintergrund ist zum einen ein Streit um die sogenannte Übergangsversorgung der Piloten bis zum Erreichen des gesetzlichen Renteneintrittsalters.

Zum anderen gibt es auch Auseinandersetzungen um das Sparkonzept "Wings". Dieses sieht vor, dass die Lufthansa im Kampf gegen Wettbewerber Strecken an die konzerneigene Billiglinie Eurowings auslagert. Das Personal soll dort nicht mehr nach Lufthansa-Tarif bezahlt werden. (Günther Strobl, 16.9.2015)

  • Trotz Umbaus geöffnet, könnte in den nächsten Monaten das Motto der Lufthansa sein. Der Konzern will sich mit einem Totalumbau zukunftsfit machen.
    foto: reuters / lisi niesner

    Trotz Umbaus geöffnet, könnte in den nächsten Monaten das Motto der Lufthansa sein. Der Konzern will sich mit einem Totalumbau zukunftsfit machen.

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