Dominic Thiem und der Ruf der Berge

15. September 2015, 16:57
103 Postings

Österreichs Nummer eins in Sachen Tennis möchte den letzten Teil der Saison gut absolvieren. Das aufgewertete Turnier in Wien stellt dabei ein "Highlight" dar, es soll ihm einen weiteren Schritt auf eine höhere Ebene des Tennis bescheren. Thomas Muster kennt die dünne Gipfelluft

Wien – Sitzen Thomas Muster und Dominic Thiem nebeneinander in einem Fiaker, der vor der Staatsoper parkt, ist das nur den beiden Pferden ziemlich wurscht. Es galt Dienstagfrüh eine spezielle Veranstaltung zu promoten, die Erste Bank Open in der der Wiener Stadthalle. Die Qualifikation beginnt am 17., das Finale steigt am 25. Oktober. Das traditionelle Tennisturnier ist gewachsen, wurde in die 500er-Kategorie gehoben (bisher 250) und bleibt auch dort. Valencia hat nach zähen Verhandlungen die ATP-Lizenz verkauft (getauscht), die gehört nun jeweils zu 50 Prozent der Stadthalle und der Firma Emotion von Herwig Straka, der auch Direktor ist. Muster ist der Botschafter, er sagt: "Das ist wichtig. Wien ist eine Weltstadt und wäre auf Dauer gegen die Wand gelaufen."

Die Dotation beträgt nun 2,3 Millionen Euro, das Budget knapp sechs. Straka sucht "internationale Sponsoren". Nicht zuletzt das Bild vom Fiaker soll welche anlocken. Thiem nennt Wien "ein Highlight". Er ist vorerst als Nummer sieben gesetzt, das Feld wird von David Ferrer, Milos Raonic und Kevin Anderson angeführt. Es ist nicht auszuschließen, dass sich einer der ganz Großen spontan für ein Antreten entscheidet. Roger Federer ist wahrscheinlicher als Novak Djokovic, Titelverteidiger Andy Murray und Rafael Nadal sollen angeblich nicht gänzlich desinteressiert sein.

Musters lobende Worte

Der 22-jährige Thiem ist Lokalmatador, Muster sieht die Entwicklung der aktuellen Nummer 20 positiv. "Ich bin prinzipiell ein Bremser. Man soll die Leute nie zu früh hochjubeln. Sie werden danach wie eine heiße Kartoffel fallengelassen. Aber bei ihm ist Potenzial nach oben vorhanden, er hat ein gutes Umfeld, ist stark im Kopf. Er weiß, dass die Luft am Berg rauer und dünner wird."

Thiem hat nach den US Open (Drittrundenout gegen Anderson) eineinhalb Tage pausiert, nun steckt er im Training, nächste Woche tritt er in St. Petersburg an. Er fühlt sich bereit fürs letzte Viertel oder Fünftel der Saison. "Körperlich bin ich okay, ich habe gelernt, die Müdigkeit zu ignorieren."

Der Niederösterreicher hat eine Stricherlliste, einen Masterplan angelegt. Der erste Turniersieg stand ganz oben auf der Agenda, er wurde im Mai in Nizza abgehakt. "Es war eine Befreiung." Titel in Umag und Gstaad folgten. Thiem ist hungrig geblieben, dem Standard sagt er: "Man darf nie zufrieden sein im Sport, er ist extrem schnelllebig. Freust du dich oder feierst du zu lange, hast du schon verloren." Thiem möchte nun die nächste Ebene erreichen. "Die Erfolge fanden bei den 250ern statt. Da kannst du langsam reinkommen. Bei den größeren Turnieren musst du sofort präsent sein, auf dieser Ebene ist noch Steigerungsbedarf. Gegen die ganz Großen habe ich nach wie vor Probleme, da fehlt die Konstanz." Trainer Günter Bresnik ist mit dem Lauf der Dinge "sehr zufrieden. Er ordnet alles dem Sport unter, jammert nicht, nimmt auch die Schattenseiten des Berufs in Kauf. Er lernt bei jedem Training dazu." Zudem besitze Thiem die seltene Gabe, "zuhören zu können. Er saugt seit 13 Jahren alle Informationen auf, stellt die richtigen Fragen". Unlängst hat er mit Jo-Wilfried Tsonga trainiert, laut Bresnik war der Franzose "völlig perplex, wie gut Thiem binnen weniger Monaten geworden ist. Es gibt keinen Grund für Tsonga, die Unwahrheit zu sagen oder zu schleimen".

Vermehrt Doppel

Thiem wird in der nächsten Saison vermehrt Doppel spielen. Um Aufschlag und Volley zu verbesser. "Das ist ein Training unter Wettkampfbedingungen." Bresnink wäre froh, "wenn er sich 2016 in den Top 20 etabliert". Botschafter Muster schließt das überhaupt nicht aus. Den Fiakerpferden ist es einerlei, sie sollen lieber Sponsoren bringen. (Christian Hackl, 15.9.2015)

Top 8 der derzeitigen Nennliste und weitere Österreicher:

1. David Ferrer (ESP/Weltranglisten-8.)
2. Milos Raonic (CAN/9.)
3. Kevin Anderson (RSA/12.)
4. John Isner (USA/13.)
5. Jo-Wilfried Tsonga (FRA/17.)
6. Ivo Karlovic (CRO/18.)
7. Dominic Thiem (AUT/20.)
8. Gael Monfils (FRA/24.)

Weiters:
Andreas Haider-Maurer (AUT/56.)
Jürgen Melzer (AUT/113./Wildcard)

  • Vergangenheit und Zukunft im österreichischen Tennissport: Thomas Muster und Dominic Thiem.
    foto: apa/hochmuth

    Vergangenheit und Zukunft im österreichischen Tennissport: Thomas Muster und Dominic Thiem.

Share if you care.