"Songs for myself or (m)other 2 – wir zwei": Charmante Wiederholungstäterinnen

15. September 2015, 15:31
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Eine Mutter und ihre aus der Norm fallende Tochter zeigen im Kosmostheater ein Sequel

Wien – Was ist aus Felicitas geworden, jener geheimnisvollen jungen Frau, deren Geschichte im Vorjahr bei Imagetanz im Brut-Theater Konzerthaus zu erleben war? Dort spielten sie und ihre Mutter Katrin Wölger "songs for myself or (m)other" – erfrischend offen und leicht. Obwohl das Leben für Mutter und Tochter so gar nicht leicht ist. Denn Felicitas hat sich aufgrund einer pränatalen Cytomegalie-Infektion anders entwickelt als gesunde Kinder. Sie leidet unter Beeinträchtigungen von Gehirn, Ohren und Augen.

Jetzt wird im Kosmostheater das Sequel gezeigt: "songs for myself or (m)other 2 – wir zwei". Es ist die Fortsetzung eines ungewöhnlichen Appells für mehr Selbstverständlichkeit im Verständnis für Felicitas und für Menschen wie sie. Und es ist die Weiterführung der Erzählung über ihren bisherigen Lebensweg in einer Gesellschaft, die sich mit allem schwertut, was aus der Norm fällt.

Mit Darstellern wie Felicitas ein Stück für ein Kunstpublikum zu machen ist ein Abenteuer. Dieses lebt davon, wie jemand, der anders geraten ist, ein durchgeplantes Stück spontan verändern kann. In Teil eins ging es darum, wie Felicitas beschützt und versorgt werden konnte. Jetzt stellt sich die Frage, wie in diesem Mutter-Tochter-Verhältnis ein Loslassen auf dem Weg in Felicitas' Erwachsenenleben gelingen kann.

Wo und wie kann sie, die heute 18 Jahre alt ist, ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen – als Künstlerin vielleicht oder als Schauspielerin?

Die als Reihe angelegte Performance "songs for myself or (m)other" soll kein Grundkurs in Sachen Mitgefühl sein, sondern eine Erkundung gesellschaftlicher Realitäten. Felicitas Wölger tritt als eigenständige Künstlerin auf. Mutter und Tochter führen ihr Publikum gemeinsam mit der Philosophin und Sprachwissenschafterin Eva Maria Gauß durch einen Parcours aus performativen Stationen, die über alle Räume des Kosmostheaters verteilt sind. (Helmut Ploebst, 15.9.2015)

Kosmostheater, 17. bis 19. September, 20 Uhr

  • Kein Grundkurs  in Sachen Mitleid, sondern ein Statement für  die Vielfältigkeit des Daseins: "songs for myself or (m)other 2 – wir zwei". Im Kosmostheater.
    foto: k. wölger

    Kein Grundkurs in Sachen Mitleid, sondern ein Statement für die Vielfältigkeit des Daseins: "songs for myself or (m)other 2 – wir zwei". Im Kosmostheater.

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