Mut zur Lücke

Userkommentar15. September 2015, 17:18
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Wie Heinz-Christian Strache Bildungslücken zu schließen gedenkt – und was das über das Frauenbild der FPÖ ausssagt

Da gibt es dieses Grünen-Wahlplakat für die Wien-Wahl. Maria Vassilakou in Großaufnahme, die Lücke zwischen ihren Schneidezähnen durch ein breites Lachen prominent in Szene gesetzt. Darüber der Slogan: "Lieber Zahnlücke als Bildungslücke". Man kann über die Grünen denken wie man möchte, aber das Plakat an sich finde ich ganz gelungen. Themenzentriert, selbstironisch und eine kleine Parodie auf die marktschreierischen "Daham statt Islam"-FPÖ-Parolen.

Heinz-Christian Strache hat diese Selbstironie offensichtlich nicht verstanden. Auf seiner Facebook-Seite teilte er am Montag das Grünen-Plakat mit dem Text: "Übrigens, es gibt da einen sehr gut ausgebildeten Zahntechniker, Frau Vassilakou! :-) Ohne Lücke lebt es sich eindeutig besser! :-) PS: Zur Aufklärung! Dieses Bild wurde von Frau Vassilakou selbst gepostet und verbreitet!" Smiley, ist natürlich witzig gemeint, Smiley.

Das Frauenbild der FPÖ

Es ist natürlich so kurz vor der Wahl gut zu wissen, mit welchen Kompetenzen Strache die Bildungslücken in Österreich zu schließen gedenkt. Aber auf den zweiten Blick impliziert das Posting auch so einiges über das Frauenbild der FPÖ beziehungsweise ihres Parteiobmanns. Anstatt sich ausnahmsweise einmal als Partei der konstruktiven Lösungsvorschläge zu präsentieren, macht er gönnerhaft einen auf Beauty-Doc. Denn dass die Optik manchmal eben Vorrang hat, wissen wir spätestens seit den Plakat- und Videoeskapaden des Rings Freiheitlicher Jungend (RFS), in denen jungen Blondinen das Wasser eben nicht bis zum Hals steht.

Wir wissen nun also alle, dass Vassilakou dem Schönheitsideal von Strache nicht vollständig entspricht. Gut so. Denn das muss sie auch nicht. Genauso wie sie nicht dem Schönheitsideal der Wählerinnen und Wähler entsprechen muss. Weil nämlich Wahlentscheidungen nicht danach getroffen werden sollten, wie der Mund eines Politikers oder einer Politikerin aussieht. Sondern danach, was dort so herauskommt. (Margot Landl, 15.9.2015)

  • Das Sujet an einer Hauswand in Wien-Mariahilf. Auf Facebook hat Strache dazu einen Kommentar hinterlassen.
    foto: apa / roland schlager

    Das Sujet an einer Hauswand in Wien-Mariahilf. Auf Facebook hat Strache dazu einen Kommentar hinterlassen.

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