Tamilen wollen internationale Untersuchung des Sri-Lanka-Konflikts

15. September 2015, 12:44
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Minderheit in Sri Lanka lehnt Wahrheitskommission und Reparationen ab, die von der Regierung vorgeschlagen wurden

Colombo – Die Minderheit der Tamilen in Sri Lanka hat ablehnend auf die Ankündigung der Regierung zur Einsetzung einer Wahrheitskommission reagiert. Tamilen-Führer Suresh Premachandran von der Revolutionären Volksbefreiungsfront Eelam sagte am Dienstag, die Pläne der Regierung zur Aufarbeitung der Vergangenheit reichten nicht aus.

Die Regierung glaube offenbar selbst nicht an eine "Erfolgsgeschichte". Es müsse eine "internationale unabhängige Untersuchung" geben.

Ähnlich äußerte sich der tamilische Parlamentsabgeordnete Dharmalingam Sithadthan. "Es geht nicht, Entschädigungen zu zahlen, und dann zu vergessen", sagte der Chef der Partei Demokratische Volksbefreiungsfront. "Wir brauchen eine glaubwürdige politische Lösung."

Konflikt aufarbeiten

Die Regierung hatte am Montag versprochen, den jahrzehntelangen gewaltsamen Konflikt mit den tamilischen Rebellen aufzuarbeiten und damit zur "nationalen Versöhnung" beizutragen. Außenminister Mangala Samaraweera sagte vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf, sein Land wolle eine Wahrheitskommission nach dem Vorbild Südafrikas einrichten. Zudem sei ein Büro geplant, das Forderungen nach Kriegsreparationen nachgehen solle. Regierungschef Ranil Wickremesinghe sagte am Dienstag, alle Bürger Sri Lankas sollten "gleich behandelt werden".

Tausende Tamilen beklagen den Verlust von Angehörigen, verloren in dem Konflikt ihre Häuser und waren zur Flucht gezwungen. Am Mittwoch legt der Menschenrechtsrat einen Bericht über Kriegsverbrechen vor, die vor allem von der srilankischen Armee im Kampf gegen die Befreiungstiger Tamil Eelam (LTTE) verübt wurden. Die Rebellen verlangten einen unabhängigen Staat für die tamilische Bevölkerungsminderheit.

Die Veröffentlichung des Berichts war ursprünglich für März vorgesehen. Doch der UN-Menschenrechtsbeauftragte Zeid Ra'ad Al Hussein sprach sich für einen Aufschub von sechs Monaten aus, um der im Jänner neu gewählten Regierung Gelegenheit zu geben, mit den Ermittlern zusammenzuarbeiten.

Im Jahr 2009 hatte die Regierung den jahrzehntelangen Aufstand der Befreiungstiger im Norden des Landes mit einer Militäroffensive blutig beendet. Nach UN-Angaben wurden allein in der letzten Phase des Konflikts etwa 40.000 tamilische Zivilisten getötet. (APA, 15.9.2015)

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