Salzburg: 15 Prozent der Jugendlichen brechen Ausbildung ab

15. September 2015, 11:51
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Bei Schülern mit Migrationshintergrund liegt die Abbrecherquote bei knapp 40 Prozent – Sprachliche Frühförderung und Talentecheck als Gegenstrategie

Salzburg – Von 100 Jugendlichen im Alter von 14 bis 19 Jahren schließen 15 ihre Ausbildung nicht ab. Das berichtete Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) heute, Dienstag, bei der Präsentation von Zahlen zu den Bildungslaufbahnen von rund 7.100 Salzburger Schülern. "Das ist dramatisch", sagte Haslauer. Unter den Kindern mit Migrationshintergrund liegt die Zahl der Abbrecher sogar bei 38,8 Prozent.

Schulwechsel als Risiko

Der statistische Dienst des Landes Salzburg hat für die Untersuchung die Bildungsverläufe jener Burschen und Mädchen angesehen, die 2006/2007 ihr letztes Pflichtschuljahr absolviert haben. Von diesem Jahrgang besuchten 25,7 Prozent eine Berufsbildende Höhere Schule (BHS), 18,2 Prozent eine Polytechnische Schule (PS), 17,9 Prozent eine Hauptschule, 17,3 Prozent eine Oberstufe einer Allgemeinbildenden Höheren Schule (AHS) und 14,5 Prozent eine Berufsbildende Mittlere Schule (BMS). Eine Erkenntnis der Statistiker: Wer die Schule wechselt, hat ein höheres Risiko, die Ausbildung gänzlich abzubrechen. Rund 80 Prozent der Jugendlichen blieben in ihrer ursprünglichen Schule. Von diesen machten 93 Prozent einen erfolgreichen Abschluss. Bei den Schulwechslern schlossen nur 74,3 Prozent die Ausbildung ab, berichtete Gernot Filipp, der Leiter der Landesstatistik.

Rund zwei Prozent des Jahrgangs schlossen nicht einmal eine Hauptschule oder eine Unterstufe des Gymnasiums ab. Während nur 1,2 Prozent der Österreicher nicht einmal die Sekundarstufe I erfolgreich beendeten, lag der Anteil der ausländischen Jugendlichen bei 8,5 Prozent. Eine Schere, die sich im weiteren Verlauf der Bildungskarrieren immer weiter auftut. Nach der Pflichtschulzeit verlassen insgesamt 3,7 Prozent der Salzburger Jugendlichen das Bildungssystem, 2,5 Prozent der Österreicher, aber 13,6 Prozent der Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Immer deutlicher wird dabei auch der Unterschied zwischen Burschen und Mädchen: Elf Prozent der Abbrecher mit ausländischen Wurzeln sind Burschen, aber 16,3 Prozent Mädchen.

Keinen Abschluss der Sekundarsstufe II (eine höhere oder mittlere Schule, eine Lehre oder eine Polytechnische Schule) schaffen 15,5 Prozent des untersuchten Jahrgangs. Bei den Österreichern lag der Anteil nur bei 12,7 Prozent, bei den Ausländern bei 38,8 Prozent. Mädchen mit Migrationshintergrund lagen mit 40,2 Prozent deutlich über den Burschen mit 37,6 Prozent. Große Unterschiede gebe es auch bei den Herkunftsnationen, berichtete Filipp: Während Jugendliche aus Familien aus dem ehemaligen Jugoslawien nur zu etwa 25 Prozent ihre Ausbildung abbrechen, sind es bei den türkischen Familien mehr als 50 Prozent.

Sprachliche Frühförderung

Insgesamt folge aber der Bildungsstand der Salzburger Bevölkerung dem österreichischen Trend hin zu höheren Abschlüssen, erläuterte der Statistiker. Im Jahr 2012 hatten 11,3 Prozent der Salzburger einen Hochschulabschluss, 1991 nur 5,4 Prozent.

Für den Präsidenten des Salzburger Landesschulrats, Johannes Plötzeneder, sind die Zahlen alarmierend. Er will vor allem bei der sprachlichen Frühförderung und bei der Lesekompetenz ansetzen, aber auch ein Augenmerk auf die kulturellen und sozialen Aspekte legen. Gerade bei den Mädchen mit Migrationshintergrund sei es entscheidend, die Familien, vor allem die Väter einzubinden und für eine gute Ausbildung zu gewinnen. Eine Arbeitsgruppe soll angesichts der hohen Abbrecherquote einen Maßnahmenkatalog entwickeln, um die Bildungsabbrüche zu verringern. Hohe Erwartungen hat Plötzeneder in den Talentecheck, der bei der Wahl der geeigneten Ausbildung helfen soll und in diesen Tagen startet. (APA, 15.9.2015)

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