Schweiz: Kein Einbruch trotz Frankenschocks

15. September 2015, 10:57
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Die Credit Suisse erwartet weiter ein Wachstum um 0,8 Prozent in diesem Jahr, die Arbeitslosigkeit steigt leicht

Zürich – Die Ökonomen der Credit Suisse schätzen die wirtschaftliche Zukunft der Schweiz genau gleich ein wie im März. So soll nach einer Abschwächung in diesem Jahr die Schweizer Wirtschaft 2016 wieder etwas an Schwung gewinnen.

Die konkreten Wachstumsprognosen der Credit Suisse (CS) lauten unverändert auf 0,8 Prozent in diesem und 1,2 Prozent im kommenden Jahr. Das Wirtschaftswachstum dürfte sich nach Einschätzung der Großbank demnach nur leicht beschleunigen. Ein eigentlicher Konjunktureinbruch sei aber trotz Frankenschock wenig wahrscheinlich, schreibt die CS in einer Mitteilung vom Dienstag.

Mehr Arbeitslose

Die Großbank begründet diesen Optimismus mit dem unerwarteten Wachstum im zweiten Quartal. Trotz Frankenschocks sei die Wirtschaft nicht in eine Rezession gerutscht, was auf die gute Binnenkonjunktur und die nach wie vor gute Auslastung der Exportwirtschaft zurückzgehe.

Der Margenschwund bei den Exportunternehmen gehe jedoch in der Regel mit einer langsamen, aber langanhaltenden Zunahme der Arbeitslosenzahlen einher. Entsprechend prognostiziert die Credit Suisse ein Anstieg der Arbeitslosenquote von 3,3 Prozent in diesem auf 3,7 Prozent im nächsten Jahr.

Konsum soll wachsen

Trotz diesem Anstieg der Arbeitslosen gehen die CS-Ökonomen davon aus, dass der Konsum in der Schweiz auch 2016 wachsen wird. Gründe dafür sind laut CS die Zuwanderung und die Zunahme der Kaufkraft. So werde sich wohl die Zuwanderung nur leicht abschwächen und darum auch im nächsten Jahr für ein Konsumwachstum von einer Milliarde Franken (911 Millionen Euro) sorgen, heißt es in der Mitteilung. Dank der zu erwartenden Nullteuerung und dem leichten Lohnanstieg soll zudem die Kaufkraft der Arbeitnehmenden trotz mehr Arbeitslosen um zwei Milliarden Franken ansteigen.

Ebenfalls positive Wachstumsimpulse erwartet die CS vom Export. Die realen Ausfuhren werden gemäß der Prognose 2016 trotz Frankenstärke um zwei Prozent wachsen. Die Schweizer Exportunternehmen dürften insbesondere von der konjunkturellen Aufhellung in der Eurozone und dem robusten Wachstum der US-Wirtschaft profitieren, schreibt die Großbank.

Jobs in Gesundheits- und Sozialwesen

Mit dem Ausblick auf das nächste Jahr hat die Credit Suisse auch eine Einschätzung für die längerfristige wirtschaftliche Entwicklung der Schweiz vorgenommen. Nach einer Modellrechnung der CS-Ökonomen wird das Gesundheits- und Sozialwesen bis 2030 der größte Arbeitgeber der Schweiz sein.

Die Industrie dagegen soll um 100.000 Stellen schrumpfen. Aufgrund der zunehmenden Anzahl an Pernsionisten soll zudem das von der Schweizer Wirtschaft im besten Fall erreichbare Wachstum bis dann von heute geschätzten zwei Prozent auf 1,6 Prozent fallen. (APA, 15.9.2015)

  • Seit der Franken nicht mehr an den Euro gebunden ist, hat er massiv an Wert gewonnen. Das macht es für die Schweizer Exportindustrie nicht einfacher, ihre Güter im Ausland abzusetzen.
    foto: apa / berg

    Seit der Franken nicht mehr an den Euro gebunden ist, hat er massiv an Wert gewonnen. Das macht es für die Schweizer Exportindustrie nicht einfacher, ihre Güter im Ausland abzusetzen.

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