Wiener Taxler verlangen von Flüchtlingen Wucherpreise

Video15. September 2015, 18:03
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Taxilenker buhlen an der burgenländischen Grenze zu Ungarn um Flüchtlinge. Laut Wirtschaftskammer bieten sie Gratisfahrten an, in der Realität allerdings um bis zu 1.200 Euro

derstandard.at/von usslar
Eine Gruppe von rund 30 Taxilenkern versucht am Freitag ins Geschäft mit den Flüchtlingen zu kommen, wütende Helfer versuchen sie davon abzuhalten.

Der Obmann der Wiener Taxibetriebe Gökhan Keskin ist stolz auf seine Berufsgruppe. Die Wiener Taxilenker würden Herz in einer schwierigen Situation zeigen, lobt er seinen Berufsstand in einer Aussendung. Rund 1.000 Flüchtlinge würden Taxilenker täglich gratis nach Wien transportieren. Ein Lokalaugenschein bei Nickelsdorf an der ungarischen Grenze zeigt ein anderes Bild.

Mehrere Dutzend Taxilenker stehen neben den Schlangen von Flüchtlingen, die auf einen Gratisbus nach Wien warten, und bieten ihre Dienste für horrende Preise an. Einige halten Angebotsschilder auf Arabisch hoch und wandern durch das Areal zwischen Essensausgabe und Bushaltestelle. In einer Nebenstraße der Ostautobahn fädeln sich hunderte Taxis zwischen die Polizeiautos.

1.200 Euro für ein Großraumtaxi nach Wien

Müde Familien lassen ihre Rucksäcke und Taschen nach dem Grenzübertritt sinken und werden von den Taxilenkern in Empfang genommen. Ehrenamtliche Übersetzer erklären ihnen immer wieder, sie könnten – mit ein bisschen Wartezeit – gratis mit den Bussen nach Wien gelangen. Vonseiten der Taxilenker hört man Gegenteiliges. Die Busse würden die Flüchtlinge nur einige Kilometer weiter zum Bahnhof bringen oder 300 Euro pro Kopf verlangen.

Eine neunköpfige syrische Familie, darunter drei Kleinkinder, hat sich so am Wochenende auf ein Großraumtaxi für 1.200 Euro eingelassen. Auf Anfrage des STANDARD gibt ein Taxiunternehmen den regulären Preis von 150 Euro für dieselbe Strecke an.

Taxifahren koste nunmal

Einige Taxilenker zeigen sich entrüstet über die Dreistigkeit mancher Kollegen. "Dass eine Taxifahrt kostet, weiß man auf der ganzen Welt, aber 500 Euro pro Person, das ist nicht korrekt." Gratis wollen aber auch sie ihre Dienste nicht anbieten und verweisen auf das hohe unternehmerische Risiko, das sie bereits für die Flüchtlinge eingehen. Denn wenn sie leer von Nickelsdorf nach Wien zurückfahren müssten, hätten sie zudem noch wertvolle Arbeitszeit verloren.

Gekommen sind sie erstmals am Freitag auf Anraten der Wirtschaftskammer, die wiederum von der burgenländischen Polizei um Hilfe gebeten worden sei. Selbst die Wirtschaftskammer habe den Taxilenkern versichert, die Flüchtlinge würden ihre Fahrt selbst zahlen. Bis Redaktionsschluss konnte die Taxi-Innung für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. (Maria von Usslar, 15.9.2015)

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