Musikgeschmack weniger von sozialer Schicht abhängig als früher

15. September 2015, 07:00
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Wien – Der Kunstgeschmack ist, wie die Leser des französischen Soziologen Pierre Bourdieu wissen, sehr stark von der sozialen Schicht abhängig. Bei der Musik scheint sich das aber in den letzten Jahren geändert zu haben, wie eine Studie im Fachblatt "Frontiers in Psychology" zeigt: Vor allem die "Oberschicht" ist längst an allen Genres interessiert.

Die "Elite" besucht Klassikkonzerte, die "Mittelschicht" bevorzugt gehobene Unterhaltungsmusik, die "Unterschicht" hört Schlager und Volksmusik – diese einstmals gängige Kategorisierung gilt demnach längst nicht mehr: Der Musikgeschmack habe sich nachweislich verändert und lasse sich nicht mehr sozial zuordnen, schreiben die Forscher des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik.

Sie untersuchten dazu den Musikgeschmack von sogenannten Expertenhörern wie etwa Musikwissenschaftsstudenten und durchschnittlichen Hörern unterschiedlichster sozialer Herkunft. In der Untersuchung ließ sich im Gegensatz zu fast allen bisherigen Studien zum Thema kein signifikanter Zusammenhang zwischen Herkunftsmilieu und Musikgeschmack nachweisen.

Abstract
Frontiers in Psychology: "Exploring the musical taste of expert listeners: musicology students reveal tendency toward omnivorous taste"

(red, 14.9.2015)

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