Pflichtbewusster und treuer Diener seiner Kanzlerin

Kopf des Tages14. September 2015, 18:30
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Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière gilt als Angela Merkels loyaler Vollstrecker. Zuletzt fühlte er sich allerdings ungerecht behandelt

Spaß gemacht hat es ihm nicht. Mit ernster Miene erklärte der deutsche Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Wochenende, dass Deutschland wieder Kontrollen an der Grenze zu Österreich durchführen werde. Das war genau das Gegenteil von Angela Merkels "Wir schaffen das"-Optimismus.

Den hatte die deutsche Bundeskanzlerin ja gerne und höchstpersönlich verbreitet. Die Verkündung der weniger guten Nachrichten hingegen überließ sie allein de Maizière. Und der tat, wie ihm geheißen – so wie immer, so wie schon seit Jahren.

Beitrag zur Karriere der Kanzlerin

Der 61-Jährige ist ein treuer Diener seiner Herrin. Indirekt hat er nicht unwesentlich zu Merkels Karriere beigetragen. Als sein Cousin Lothar de Maizière (CDU) 1990 der erste frei gewählte und zugleich letzte Ministerpräsident der DDR wurde, suchte der eine Pressemitarbeiterin. Thomas de Maizière empfahl ihm Merkel.

15 Jahre später wurde die Pressesprecherin Kanzlerin, und sie holte de Maizière von Sachsen, wo er Justiz- und Innenminister gewesen war, nach Berlin. Zunächst war er Chef des Kanzleramtes, 2009 wurde er Innenminister. Zwei Jahre später brauchte Merkel einen Anti-Guttenberg im Verteidigungsministerium, also wechselte de Maizière ohne zu murren das Ressort. Verteidigungsminister wäre er dann gerne länger geblieben, der Umbau der Bundeswehr zur Freiwilligenarmee war eine große Aufgabe. Man munkelte damals, de Maizière sei auf dem Weg zur Merkel-Nachfolge – zumal sich die beiden recht ähnlich sind: pragmatisch, nüchtern, sachorientiert.

Selbstironische Bemerkungen

Allerdings: Merkel hat all dies zur Marke erhoben. De Maizière hingegen blieb blass, kann darüber aber immerhin Witze machen: "Wir haben bei einem Geburtstag einen Spieleabend gemacht, und da haben wir bei 'Mensch ärgere Dich nicht' mal so richtig die Sau rausgelassen."

Doch dann wollte Ursula von der Leyen (CDU) Verteidigungsministerin werden, und Merkel schob ihren getreuen Diener 2013 zurück ins Innenressort. Das hat er nicht so toll gefunden, sich aber gefügt. Doch seither wirkt der dreifache Vater so, als würde sein Amt bloß nur noch aus Pflichten bestehen.

So arbeitete er bisher auch die Flüchtlingskrise ab. Keine Emotionen, kein großer Optimismus, kein besonderer Pessimismus. Es muss alles verwaltet werden. Ob das Krisenmanagement de Maizière persönlich weiterbringt, ist zurzeit eher mit Nein zu beantworten. (Birgit Baumann aus Berlin, 14.9.2015)

  • Artikelbild
    foto: apa / epa / paul zink
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