ORF: Neuer Anlauf mit rechtlich heikler Fußball-App

14. September 2015, 17:01
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Nach einer Strafe für die Ski-App sieht man sich jetzt auf der sicheren Seite – Das Fernsehjahr 2016 startet im Herbst mit Schalkos "Altes Geld"

Wien – Die wenigsten Unternehmenschefs müssen vor der Präsentation einer neuen Smartphone-App einen rechtlichen Hinweis aufsagen. Der ORF aber bewegt sich damit auf juristisch unsicherem Terrain. Deshalb schickt Generaldirektor Alexander Wrabetz der Präsentation voraus: "Immer, wenn ich 'App' sage, meine ich 'Fußball-Online-Angebot'."

In welcher Form es dem ORF gesetzlich erlaubt ist, Apps zur Verfügung zu stellen, ist ja umstritten. Im Oktober 2014 wurde das Unternehmen zu einer 140.000 Euro schweren Strafe verdonnert, weil eine eigens für die Ski-WM 2013 programmierte App auch solche Inhalte anbot, die nicht auch auf den Webseiten des ORF zu finden waren (der STANDARD berichtete).

Hinweise auf Privatsender

Mit der ab sofort verfügbaren Fußball-App sieht man sich am Wiener Küniglberg aber auf der rechtlich sicheren Seite, alle Inhalte werden online "gespiegelt" – das sind: aktuelle Ergebnisse, Social-Media-Postings, Tore und andere Spielereignisse zum Nachsehen während eines Livespiels. Das elektronische Fernsehprogramm der Applikation weist auch Spiele aus, die auf Privatsendern laufen. Ein "Experiment", wie Wrabetz sagt. "Mal schauen, ob sie (die Privatsender, Anm.) uns trotzdem klagen."

Präsentiert wurde die App im ebenfalls neuen Fußballstudio. In dessen Gestaltung habe man sich auf die journalistische Kompetenz besonnen, sodass es ohne Tänzerinnen auskommt, wie Sportchef Hans Peter Trost sagt. Präsentiert wird dort künftig auch Sport am Sonntag, über die Kosten des modernen Studios mit großer LED-Videowand schwieg Trost.

"Altes Geld", Landkrimis und Universum

Beim Pressetermin im ORF-Zentrum zeigte Fernsehdirektorin Kathrin Zechner außerdem den Trailer für das Programm 2016 vorab, den heute, Dienstag, vor allem potenzielle Werbekunden zu sehen bekommen. Ins Arbeits- und Fernsehjahr startet der Öffentlich-Rechtliche mit einer Reihe von Nostalgieshows anlässlich des 60. Jahrestags der ersten ORF-Sendung im August 1955.

Ansonsten stehen österreichische Produktionen hoch im Kurs: David Schalkos böse Familiensaga Altes Geld startet am 2. November, neue Landkrimis und vom ORF koproduzierte Universum-Dokus sind ebenfalls ab Herbst zu sehen. Kolportiert wurde ja (wie berichtet), dass eine dieser drei aufwendigen Produktionen nach hinten verschoben werden muss, um Rückstellungen für eine möglicherweise teure Klage des Betriebsrats zu finanzieren. Die nötigen Millionen dürften jetzt durch kleinere Verschiebungen zusammengekratzt worden sein.

Zechner gegen "Kommerzialisierung und Feigheit"

Die vom ORF produzierte Silvesterausgabe Stadlshow soll arrivierte und noch unbekannte junge Schlagersänger abseits der "zehn bekanntesten Stars der Branche" (Zechner) fördern – als mutigen Schritt in einer Zeit, in der "Kommerzialisierung und Feigheit" vorherrschten und die immer gleichen Personen und Formate "ewig ausgewalzt" würden.

Im März startet die zehnte Staffel Dancing Stars im ORF. (sefe, 14.9.2015)

  • Spieglein, Spieglein, in der Hand: Die neue App des ORF bietet nur Inhalte, die auch auf der Website des Senders verfügbar sind.
    foto: cremer

    Spieglein, Spieglein, in der Hand: Die neue App des ORF bietet nur Inhalte, die auch auf der Website des Senders verfügbar sind.

  • Neben der Fußball-App wurde auch das neue Sportstudio im ORF-Zentrum am Küniglberg vorgestellt.
    foto: orf/roman zach-kiesling

    Neben der Fußball-App wurde auch das neue Sportstudio im ORF-Zentrum am Küniglberg vorgestellt.

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