1.500 Flüchtlinge in Notquartier der Wiener Angewandten

14. September 2015, 17:18
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Künftiges Gebäude der Universität für angewandte Kunst als Notschlafstelle

Wien – "Ich wünsche mir, dass es allen Syrern gutgeht", übersetzt Abdula Dik vom Roten Kreuz Mohammeds Worte. Seit Sonntag befindet sich Mohammed (24) gemeinsam mit seiner Mutter und seiner zehnjährigen Schwester Hadja hier, im leerstehenden, großräumigen Gebäude des ehemaligen Finanzamts im dritten Wiener Gemeindebezirk. Die Familie will nach Berlin, wo seit 17 Jahren eine Verwandte wohnt. Der Vater musste in Syrien bleiben, weil er dort arbeiten müsse, Mohammed selbst habe bis zuletzt in einem syrisch-asiatischen Restaurant als Koch gearbeitet. "Ein schönes, gutes Leben und nicht mehr" wünscht sich Mohammed.

Kurzfristiger Einsatz

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag hat das Rote Kreuz in Kooperation mit dem Fonds Soziales Wien ein Notschlafquartier eingerichtet. Nach Anfrage des Innenministeriums bei der Bundesimmobiliengesellschaft wurde das leerstehende Gebäude kurzfristig begutachtet und für die Flüchtlingsunterbringung freigegeben. Noch in der Nacht zum Freitag ließen Mitarbeiter der Universität für angewandte Kunst die Einsatzkräfte hinein. Feldbetten wurden aus Kärnten geliefert, und mithilfe von Mitarbeitern der Angewandten wurde das Gebäude für die ankommenden Flüchtlinge vorbereitet. In Zukunft soll das Gebäude von der Kunstuni genutzt werden. "Der Universitätsbetrieb bleibt unbeeinflusst", teilte eine Universitätssprecherin dem STANDARD mit.

Kapazitäten für 1.500 Menschen

"Insgesamt ist hier Platz für 1.500 Menschen", sagt Georg Geczek, Einsatzleiter des Roten Kreuzes vor Ort. Ehrenamtliche Mitarbeiter vom Roten Kreuz und freiwillige Helfer sind in Schichtdiensten im Einsatz. Allein in der Nacht von Sonntag auf Montag wurden 900 Männer, 200 Frauen und 300 Kinder aufgenommen und versorgt. Das Gebäude ist inzwischen ausgelastet.

"Bis vier Uhr in der Früh wurden hier Flüchtlinge aufgenommen", berichtet Gisela Nowak vom Roten Kreuz. "Wir hatten einige total erschöpfte Menschen", erinnert sie sich an Sonntagnacht. Die Bundesrepublik Deutschland ist das Ziel der meisten hier. Viele der Flüchtlinge haben Informationen erhalten, dass die Weiterreise momentan nicht möglich sei. So lange wird das Notschlafquartier – bislang sehr strukturiert und reibungslos – als 24-Stunden-Beherbergung geführt. (Victoria Windtner, 14.9.2015)

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