Die Helfer vom Checkpoint Röszke

Video14. September 2015, 15:13
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Über hundert Volontäre aus der ganzen Welt leisten seit Wochen humanitäre Hilfe. Auch Polizisten werden mit Tee, Kaffee und Nahrung versorgt.

"Wie kommt man zum Checkpoint?", fragen drei langhaarige Mädchen aus Israel aufgeregt. Daraufhin zieht Ayasha aus der Hosentasche ihr Handy heraus. Sie zeigt auf ihr Display. "Es werden Übersetzer gesucht. Arabischkenntnisse sind gefragt", steht in der von der Universität Szeged an ihre Studenten verschickten E-Mail.

Sie wollen mitmachen. Als Volontäre. Bevor sie jedoch zum Checkpoint gelangen, müssen sie eine Polizeisperre überwinden. Diese sorgt dafür, dass zum Camp, welches entlang der Straße nach Röszke bei der Kreuzung mit den Gleisen eingerichtet wurde, nur Fahrzeuge der Behörden, der NGOs und einiger freiwilliger Helfer hinfahren können.

Minuten später beim Checkpoint eingetroffen, ziehen die Medizinstudentinnen ihre Handschuhe an und beginnen zu helfen. Sie sind an diesem Tag nur drei von über hundert Helfern aus Asien, Amerika und Europa.

Ständig wachsender Checkpoint

Seit Mitte Juni hat an dieser Stelle die MigSzol-Gruppe täglich Flüchtlinge empfangen, sie mit Informationen und dem Nötigsten versorgt. Bis vor einer Woche stand dort nur ein kleines Zelt. In den letzten Tagen ist der Checkpoint organisch gewachsen, und mittlerweile befinden sich dort über 20 Zelte von kleineren und größeren NGOs, Vereinen und freiwilligen Helfern. Auch die Anzahl der Schlafzelte hat sich in der letzten Woche vervielfacht. So bietet das Camp derzeit für über 2000 Personen Schlafmöglichkeiten.

Manche der Helfer haben lange Wege hinter sich. Mohammed ist mit dem dänischen Verein Viomis angereist. Er selbst ist aus Göteborg. Über soziale Medien hat er sich mit dem Verein in Kontakt gesetzt. Seit drei Tagen hilft er vor Ort: "Bei allem, was anfällt."

derstandard.at

Soziale Medien als Faktor

Soziale Medien spielen bei der Entstehung des Checkpoints eine große Rolle. Beinahe alle haben über verschiedene Facebook- und Twitter-Gruppen über das Camp erfahren. So auch Jan aus Brno. In der Folge haben er und zahlreiche Brünner sich im Café Tři ocásci getroffen. Von dort aus haben sie Spenden gesammelt, sich mit Kollegen aus Prag vernetzt und sind vor vier Tagen beim Checkpoint eingelangt.

Die meisten der internationalen Helfer kommen aus Österreich. "Wahrscheinlich hat das mit der geografischen Nähe und dem Wohlstand unseres Landes zu tun", sagt Astrid aus Wien. Sie ist mit dem humanitären Flüchtlingskonvoi von Österreich nach Röszke gekommen. Auch zwei angereiste Helferinnen aus Amerika waren für einige Tage im Camp. "Die Solidarität kennt an diesem Ort keine Grenzen," sagt ein Helfer aus Großbritannien.

Ärztliche Versorgung

Eine Frau mit Fußverletzung nähert sich den Zelten der "Ärzte ohne Grenzen". Umgehend wird sie von einer Ärztin versorgt, die seit Stunden pausenlos im Einsatz ist. Diese setzt sie auf ein Bett und verbindet das verwundete rechte Bein der Frau. Die ärztliche Versorgung wird den Flüchtlingen inzwischen rund um die Uhr gewährleistet.

Mit einer zweiten Zielgruppe hatten die Helfer weniger gerechnet: "Wir bringen den Polizisten Kaffee, Wasser und Lebensmittel", erklärt die ungarische Helferin Ágnes. Sie ist seit Tagen im Camp tätig und versorgt neben Flüchtenden auch das Personal der Exekutive. Aufgrund der mangelnden staatlichen Versorgung sind nicht nur die Flüchtlinge auf die Hilfe der Freiwilligen angewiesen, sondern auch die Staatsbediensteten. Diese müssen teilweise Schichten von über 30 Stunden absolvieren, mit einer vierstündigen Pause danach. Erst nach vier, fünf Tagen dürfen sie für 24 Stunden nach Hause.

Organisationschaos

Im Camp selbst mangelt es nicht an Sachspenden. "Die Organisation eines stets unkoordiniert wachsenden Camps ist unsere größte Herausforderung", gibt Mark, der Quasi-Organisator des Checkpoints, zu. "Der ganze Mist, der hier überall liegt, ist auf eine schlechte Koordination der Spenden zurückzuführen. 90 Prozent der Sachen werden nicht gebraucht", so Mark. Was noch dringend gebraucht wird, sind freiwillige Helfer, die bereit sind, mit anzupacken.

Mögliche Übersiedlung des Camps

Welchen Einfluss die Grenzsperre auf den Checkpoint Röszke haben wird, weiß momentan keiner. Eines steht aber fest: Die in Röszke anwesenden Volontäre werden sich um die ankommenden Flüchtlinge kümmern. Egal ob in Ungarn oder in Serbien. "Wird der Zaun einen Flüchtlingsstau in Serbien auslösen, werden wir das Camp drüben aufziehen." (Balazs Csekö, Siniša Puktalović, 14.9.2015)


Update: Die ungarischen Behörden räumen offenbar das Flüchtlingslager Röszke an der serbischen Grenze. Tausende Menschen würden mit Zügen in Richtung österreichische Grenze gebracht, berichtete ein Reuters-Fotograf am Montag gegen 14:00 Uhr. (APA)

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